Im Jahr 2024 trat eine neue Gesetzesregel in Kraft, mit der jährlich bis zu 25.000 Menschen aus Nicht-EU-Ländern ohne Berufsabschluss oder Deutschkenntnisse befristet in Deutschland arbeiten dürfen. Für Bürger visapflichtiger Staaten ist jedoch vorab ein Visum nötig, wofür wiederum die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit (BA) erforderlich ist. Sie prüft, ob tatsächlich ein konkretes Jobangebot existiert. Dieses Visum öffnet für maximal acht Monate die deutsche Tür zur Arbeit – nicht länger. Im vergangenen Jahr sprach die BA fast 15.000 Zustimmungen aus, doch wie viele dieser Fälle tatsächlich in Jobs resultierten und anschließend in Rückreisen, weiß niemand so recht. Das Auswärtige Amt berichtet, dass 2025 gut 7.600 nationale Visa ausgestellt wurden – offenbar klar unterhalb der festgelegten Obergrenze. Die antragstellenden Menschen stammen am häufigsten aus Vietnam, Kirgistan, Georgien, Kosovo, Usbekistan und der Türkei. Danach aber verliert sich die Spur: Ob Rückreise oder Bleiben – niemand zählt, niemand speichert die Daten. Weder BA noch Außenamt noch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) wissen, was die Migranten nach Ablauf ihrer Zeit machen. Die wenigen, denen ein längerer Aufenthalt gelingt – etwa über eine Ausbildung oder ein Asylverfahren –, tauchen nur zum Teil im Ausländerzentralregister auf. Dabei zeigen Zahlen des Bamf, dass immerhin jeder sechste Asylerstantragsteller vorher mit einem Visum nach Deutschland gereist war.
Im Kern fehlt deutschen Behörden jeder Überblick darüber, ob und wie viele Kurzzeit-Arbeitsmigranten nach Ablauf ihrer befristeten Tätigkeit tatsächlich wieder ausreisen. Die Bundesagentur für Arbeit und das Auswärtige Amt kontrollieren zwar die Voraussetzungen und Genehmigungen für die Einreise, aber niemand dokumentiert systematisch, ob die Betroffenen tatsächlich das Land verlassen. Die erteilten Visa und Zustimmungen werden von den Behörden unterschiedlich hoch beziffert, zu einer wirklichen Nachverfolgung kommt es jedoch nie. Der zunehmende Fachkräftemangel und die Debatte um Einwanderung machen den Transparenzmangel immer problematischer – zumal laut BAMF jeder sechste Asylbewerber ursprünglich mit einem Visum kam, bevor er einen Asylantrag stellte. Laut aktuellen Medienberichten gibt es aus der Politik Forderungen nach besserer Datenlage und vernünftigen Kontrollmechanismen, um eine ungewollte „Verfestigung“ des Aufenthalts zu verhindern. Neuere Artikel im Netz bestätigen, dass die Bundesregierung zwar einerseits auf schnellere Arbeitsmarktintegration von Arbeitsmigranten setzt, andererseits die Rückkehrfrage nach wie vor ungelöst ist.