Umstrittenes Atomprojekt: Bundesregierung macht Weg für russische Kooperation in Lingen frei

Trotz politischer Spannungen soll ein gemeinsames Atom-Vorhaben eines französischen und russischen Konzerns in Niedersachsen grünes Licht bekommen – Sicherheitsbedenken inklusive.

heute 14:36 Uhr | 4 mal gelesen

Laut den Recherchen von Politico steht die Ampel-Koalition vor der Erlaubnis für eine heikle atomare Zusammenarbeit auf deutschem Boden. Es geht um die Produktion spezieller Brennstäbe im niedersächsischen Lingen, bei der die französische Framatome-Tochter Advanced Nuclear Fuels (ANF) eng mit dem russischen Staatsunternehmen Rosatom, bzw. dessen Tochter TVEL, kooperieren will. Pikantes Detail: Die dafür nötige Umrüstung der Anlage wurde bereits 2022 beantragt. Nun hat das federführende Umweltministerium in Berlin das Vorhaben unter bestimmten Auflagen für genehmigungsfähig erklärt. Bevor wirklich gebohrt, geschweißt und produziert werden darf, muss das niedersächsische Umweltministerium jedoch noch formal zustimmen. Einige Ministerien in Berlin schieben die Entscheidung eher von sich weg und verweisen auf die federführende Behörde; Antworten auf konkrete Nachfragen bleiben aus. Besonders kurios: Während ND-Umweltminister Christian Meyer vor kurzem noch ausdrücklich vor einer zu großen russischen Rolle im deutschen Energiesektor warnte – ein Fingerzeig auf die Gas-Krise um Gazprom – droht nun eine fast déjà-vu-haften Debatte um die Atominfrastruktur. Momentan hüllt sich Hannover jedoch bezüglich Fristen und Einzelheiten zur Prüfung in Schweigen.

Die Bundesregierung hat nach langem Ringen grünes Licht für ein umstrittenes Atombrennstoff-Projekt in Lingen gegeben, bei dem französische und russische Unternehmen kooperieren sollen. Kritiker sehen die Gefahr, dass Deutschland – wie schon bei der Gaskrise und Gazprom – erneut von russischer Technologie und Einfluss abhängig werden könnte, was angesichts der aktuellen geopolitischen angespannten Lage ein erhebliches Risiko birgt. Kurzfristig liegt es nun am niedersächsischen Umweltministerium, ob die Produktion tatsächlich beginnt, während viele Stimmen – darunter auch Umweltschützer und Oppositionspolitiker – Transparenz und alternative Wege fordern. Von anderen aktuellen Artikeln zu diesem Thema: Die Süddeutsche Zeitung hebt hervor, dass durch das Projekt energiepolitische Grundsatzfragen aufgeworfen werden – insbesondere, ob angesichts der Ukraine-Krise eine neue russische Abhängigkeit gerechtfertigt ist (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Die ZEIT diskutiert die fehlende öffentliche Debatte und die Entscheidungsmacht der Landesregierung – mit dem Hinweis, dass Umweltminister Meyer sich bereits mehrfach sehr kritisch zum Thema geäußert hat (Quelle: Zeit Online). Die FAZ beleuchtet die internationalen Reaktionen, insbesondere die amerikanische Besorgnis und die europäische Debatte um Sanktionen gegen Russland, was den deutschen Sonderweg in ein schwieriges Licht setzt (Quelle: FAZ).

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