SPD kündigt Widerstand gegen Merz‘ Rentenkurs an

Die SPD wehrt sich heftig gegen die Kritik zur Rentenpolitik und weist Vorwürfe von Kanzler und CDU zurück.

heute 13:36 Uhr | 5 mal gelesen

„Unhaltbar“ – so nennt SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf die jüngsten Aussagen von Friedrich Merz gegenüber dem Spiegel. Aus Klüssendorfs Sicht ist es mehr als zynisch, dass denen Blockade vorgeworfen wird, die ihrerseits mit Vorschlägen nicht durchkommen, während die Union immer wieder Reformen verhindere. Der Streitpunkt? Merz brachte ins Spiel, die gesetzliche Rente künftig nur noch als Grundsicherung auszugestalten – für Klüssendorf eine Kampfansage an die Mehrheit der Bevölkerung. Insbesondere Ostdeutschland wäre davon hart betroffen: Rund 75 Prozent verlassen sich dort fast komplett auf die gesetzliche Rente. Klüssendorf legt den Ball zurück zur Union und fordert vom Kanzler, endlich bei den Reformen Verantwortung zu übernehmen, statt durch öffentliche Vorwürfe die politische Debatte weiter aufzuladen und zu zerstückeln. Interessant: Auch in der eigenen CDU sehen manche den Kurs skeptisch. Johannes Winkel (Junge Union) merkt an, dass Sparvorschläge keinesfalls nur Aufgabe der Union seien – aber die öffentliche Debatte schade am Ende allen. Zusätzliche Kritik kommt nicht nur aus linken Kreisen. Ines Schwerdtner (Linke) geht noch weiter: Für sie sind die Äußerungen des Kanzlers blanker Hohn für Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben. Ebenso fordert sie: Deutschland solle sich bei der Altersvorsorge an Österreich orientieren, und Protest sei jetzt notwendig, um die Renten zu verteidigen. Der Grünen-Sozialpolitiker Armin Grau sieht die Regierung gleichermaßen in der Pflicht. Die Rente dürfe kein „Billigprodukt“ werden, sie sei das Fundament der Alterssicherung in Deutschland. Ergänzend fordert Grau eine verpflichtende betriebliche Rente – doch dazu gebe es vonseiten der Regierung kaum Impulse.

Die Diskussion um die Zukunft der gesetzlichen Rente wird in Deutschland derzeit scharf und teils emotional geführt. Ausgelöst durch Vorschläge von Merz, das Rentenniveau auf eine reine Grundsicherung einzudampfen, formiert sich vor allem von SPD, Grünen und Linken vehementer Widerstand – sie argumentieren, die gesetzliche Rente sei für etliche Millionen Menschen, vor allem im Osten, mehr als ein reines Almosen. Interessant ist allerdings auch der Zwiespalt innerhalb der CDU: So mehren sich die Stimmen, die ein Ende der öffentlichen Schuldzuweisungen fordern. Neue Details: In den letzten Tagen wurde außerdem aus Regierungskreisen bestätigt, dass ein öffentlich verwaltetes Standardprodukt für die private Altersvorsorge eingeführt werden soll. Außerdem berichten Medien aktuell, dass sich auch der Paritätische Wohlfahrtsverband sowie Sozialverbände für eine Stärkung der gesetzlichen Rente und gegen weitere Kürzungen aussprechen. Der gesellschaftliche Druck wächst, und zahlreiche Organisationen stellen sich hinter die Forderung: Reformen dürfen nicht auf dem Rücken derer ausgetragen werden, die am wenigsten Spielraum im Alter haben.

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