SPD-Spitze distanziert sich deutlich von Albigs Annäherungsversuch an die AfD

Der Vorstoß des Ex-Ministerpräsidenten Torsten Albig, die bislang unüberwindbare Abgrenzung zur AfD aufzuweichen, löst bei führenden Persönlichkeiten der SPD heftigen Widerspruch aus. Vor allem in Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern zeigen sich maßgebliche Sozialdemokraten irritiert bis erbost.

heute 13:03 Uhr | 2 mal gelesen

Eigentlich ist es keine Überraschung mehr: Die Diskussion um die AfD und wie man mit ihr umgeht sorgt immer wieder für Risse – diesmal innerhalb der SPD. Torsten Albig, einst Kopf der Landesregierung in Schleswig-Holstein und mittlerweile in Diensten der Tabakindustrie, forderte öffentlich, die sogenannte 'Brandmauer' zur AfD zu überdenken. Prompt folgte ein geradezu reflexartiges und deutliches Nein von SPD-Größen wie Jochen Ott aus NRW: Er könne nicht nachvollziehen, was Albig zu diesem Statement bewegt habe. Noch eine Spur schärfer reagierte Julian Barlen aus Mecklenburg-Vorpommern. Für ihn ist die Abkehr einer klaren Haltung schlicht nicht diskutabel – und einen Rat von einem früheren Politiker, der inzwischen für eine Tabakfirma arbeitet, brauche niemand. Gerade im Vorfeld der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern – ein Ort, den Albig als Beispiel für eine eventuelle Zusammenarbeit mit der AfD nannte – will Barlen keine Unklarheiten aufkommen lassen: Stabilität und konsequente Haltung seien wichtiger als überholte Ratschläge. Auch aus Berlin tönt es in dieselbe Richtung. Steffen Krach, Berlins SPD-Chef, betonte die absolute Unvereinbarkeit der AfD-Positionen mit dem Selbstverständnis der SPD. Seiner Meinung nach gibt es nicht einmal ansatzweise eine Schnittmenge. Dass es hier keine Grautöne gibt, machten alle Gesprächspartner deutlich – fast so, als wollte man die Debatte im Keim ersticken.

Die SPD signalisiert, ungeachtet alter oder neuer Personaldebatten, eine absolute Abgrenzung von der AfD und lehnt jeden Gedanken an Zusammenarbeit kompromisslos ab. Torsten Albig, der aktuell als Lobbyist bei einem Tabakkonzern arbeitet, wirbelte mit seinem Plädoyer für ein Überdenken der Brandmauer zwar viel Staub auf – in der Partei selbst führte das jedoch zu einer neuerlichen Selbstversicherung demokratischer Werte. Die Debatte zeigt, wie groß die Nervosität vor den anstehenden Landtagswahlen ist: Die AfD erzielt derzeit in den betreffenden Bundesländern Rekordwerte in Umfragen und der politische Druck auf SPD-Vertreter wächst spürbar. Aktuell wird in Medien und politischen Kreisen verstärkt diskutiert, wie stabil die 'Brandmauer' gegen rechts in schwierigen Mehrheitsverhältnissen tatsächlich bleibt – aber in der SPD herrscht nach außen weiterhin eiserne Einigkeit. Nach Recherche in aktuellen Nachrichtenquellen ergänzend: Laut mehreren Interviews und Berichten fordern zahlreiche SPD-Abgeordnete, den Extremismusschutz stärker im Grundgesetz zu verankern, während sie zeitgleich einen Maßnahmenkatalog initiieren, um Gegenstrategien gegen den Zusammenbruch traditioneller Mehrheiten infolge der Stärke der AfD im Osten zu entwickeln. Auch von Grünen- und Linken-Politikern werden landesweit Appelle laut, etwaige Kooperationen mit der AfD geschlossen auszuschließen, wobei ihnen jedoch von AfD-Verantwortlichen vehement Populismus vorgeworfen wird. In gesellschaftspolitischen Analysen warnen Wissenschaftler, dass eine Aufweichung der Brandmauer langfristig die demokratische Stabilität beschädigen könnte, gerade im Hinblick auf Europas zunehmende Erfolge rechtsnationaler Parteien.

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