Studie 2026: KI krempelt Steuerabteilungen um – vom Pflichterfüller zum Impulsgeber

Automatisierung und KI verschieben in Deutschlands Steuerwelt die Grenzen: Während Routinearbeiten mehr und mehr aus den Händen der Steuerfachleute gleiten, blüht deren Rolle als Berater auf. Doch wie weit sind Unternehmen wirklich bei der digitalen Transformation – und was bremst? Einblicke und Denkanstöße aus der Studie 'Tax Technology 3.0' von Grant Thornton und Lünendonk.

heute 12:00 Uhr | 2 mal gelesen

Manchmal ertappt man sich dabei, wie man auf einen alten Freund – sagen wir: Excel – blickt und denkt, dass er doch ein Stück weit unersetzlich scheint. 94 Prozent der Unternehmen jedenfalls halten an der Tabellenkalkulation fest, als wäre sie ein kleiner Notanker inmitten einer Datenbrandung. Und trotzdem, ganz langsam, holt die nächste Welle auf: KI, Automatisierung, smarte ERP-Systeme. Wirklich dominiert wird der Wandel aber nicht etwa von einer visionären Lust auf Neues, sondern, ehrlich gesagt, vor allem durch die schiere Wucht regulatorischer Vorschriften; E-Invoicing, Mindestbesteuerung und ESG-Berichtspflichten schieben dabei mächtig an – manchmal auch zum Verdruss. Interessant: Die meisten Firmen schätzen ihre digital-transformierten Steuerabteilungen fortschrittlicher ein, als sie wirklich sind. Nur rund ein Viertel gibt offen zu, der Fortschritt sei bereits weit. Die größte Bremse? Budget, Integration und Datenwirrwarr. Insbesondere die Systemarchitektur klafft an vielen Stellen, und solang Daten hier und da noch dezentral wachsen, bleibt das Traumschiff Automatisierung oft nur in Sichtweite. KI – so das kleine Zauberwort, das aktuell jeden Zukunftstext krönt – wird bislang recht vorsichtig eingesetzt. Braucht Zeit. Viele Unternehmen nutzen sie wenn überhaupt im Dokumentengenerieren oder für Chatbots, und auch die angesagte „Agentic AI“ steht noch in den Startlöchern – ein paar Pilotprojekte, Planspiele, das war’s. Trotzdem wird klar: Je mehr Algorithmen und smarte Technik Routinearbeit ablösen, desto freier werden Menschen für Beratung und gestaltende Tätigkeiten. Das Selbstverständnis wandelt sich bereits; Steuerexpert:innen entwickeln sich Richtung Schnittstelle zwischen Geschäftsleitung und täglichen Prozessen. Nur noch wenige sehen sich als reine Compliance-Wächter. Zur Wahrheit gehört aber auch: Digitalisierung in der Steuerfunktion ist eine Reise mit allerlei Stolpersteinen – und immer wieder der Frage, was Technologie eigentlich leisten sollte – und was Menschen besser können.

Die Studie 'Tax Technology 3.0' von Grant Thornton und Lünendonk beleuchtet, wie Digitalisierung und KI die deutsche Steuerfunktion verändern. Während regulatorische Anforderungen als Hauptantrieb gelten, hängen viele Unternehmen in Sachen Systemintegration und Datensilos noch hinterher. KI-Anwendungen sind bislang selten produktiv im Einsatz, werden aber zunehmend als Chance zur Entlastung bei Routineaufgaben gesehen – wodurch die Steuerfunktion sich verstärkt zur beratenden Rolle und zum Business-Enabler wandelt. Noch sind aber Excel-Lösungen und zersplittete Systeme an der Tagesordnung, und Budgetrestriktionen sowie mangelnde Datenqualität sind starke Hemmnisse. Im europäischen Umfeld spiegelt sich ähnliches: In Frankreich und Italien gewinnen E-Invoicing und zentrale Steuerdaten ebenfalls an Bedeutung, während international die Debatten rund um Mindestbesteuerung weiterhin politischen und technologischen Druck erzeugen. Aktuelle Nachrichten: - Im Handelsblatt-Interview vom 11. April weist der Steuerexperte Robert Seitz darauf hin, dass KI-basierte Steuerlösungen nicht nur Zeit sparen, sondern auch Fehlerquoten senken könnten. Er betont jedoch, dass menschliche Kontrolle weiterhin unabdingbar bleibt, besonders in Fragen der Interpretationsspielräume neuer Regularien. - Die Süddeutsche berichtet am 12. April über die wachsende EdTech-Branche im Steuer- und Compliance-Umfeld, sieht aber auch eine zunehmende Kluft zwischen Großunternehmen und Mittelstand bei der Umsetzung komplexer Digitalisierungsprojekte. - Auf t3n.de erschien am 13. April ein Porträt von Start-Ups, die mit Agentic AI experimentieren. Trotz aller Euphorie zeigt der Autor, dass Datenschutz und fehlendes Know-how bei vielen Unternehmen zu unangenehmen Überraschungen führen.

Schlagwort aus diesem Artikel