Loyalität als Kostenfalle im Strommarkt
Wirklich überraschen kann es vermutlich niemanden mehr, dass langjährige Stromkunden nicht gerade honoriert werden – doch in welchem Ausmaß sie draufzahlen, das blieb bisher undurchsichtig. Die Preise für Bestandskunden wirken wie ein gut gehütetes Geheimnis der Versorger. Nun gibt es concrete Zahlen: Die neue Erhebung von Octopus Energy und der RWTH Aachen entblättert einen massiven Missstand, den bislang kaum einer wirklich beziffern konnte.
Die Energiekrise hat die Situation noch zugespitzt. Vor dem Schock 2021 lagen die Einsparungen beim Anbieterwechsel irgendwo zwischen 120 und 240 Euro – inzwischen hat sich diese Lücke vervielfacht, ohne dass ein Licht am Ende des Tunnels zu erkennen ist. Viele sind, zugegeben, etwas resigniert. Während Tarife für Neukunden sich flott an Marktbewegungen anpassen, steigen die Preise für Bestandskunden oft nach anderen, dubiosen Regeln. Die Begründungen sind meist schwammig. Loyalität, so scheint es, kostet bares Geld.
Ruf nach politischem Handeln
Andere Länder, etwa Großbritannien oder Australien, haben Gesetze gegen diese Art von Preispolitik eingeführt. In Deutschland hingegen bleibt alles erstaunlich ruhig, obwohl die Strompreise schon zu den höchsten weltweit zählen. Bastian Gierull, Chef von Octopus Energy Deutschland, wird sehr deutlich: Der Markt spalte sich in zwei Klassen. Während Neukunden mit Dumping-Preisen gelockt werden, blechen Stammkunden. Wer nicht wechselt, verliert dreifach – Geld, Energie und etwas Vertrauen in die Fairness. Das müsste, so Gierull weiter, eigentlich die Politik auf den Plan rufen.
Octopus Energy fordert darum: Die Regeln müssen sich ändern – und zwar zum Schutz aller Verbraucher, die einfach nur ihre Rechnungen zahlen wollen. Studie hier einsehbar, Visualisierungen hier.
Kurzprofil Octopus Energy
Gegründet 2016, hat sich Octopus zur Aufgabe gemacht, die Energiewende mit Technologie voranzubringen. Seit 2020 aktiv in Deutschland, wächst das Unternehmen rasant und versorgt inzwischen über eine Million Menschen in der Bundesrepublik. Weltweit sind es beeindruckende zehn Millionen Kunden. www.octopusenergy.de
Die neue Studie von Octopus Energy und der RWTH Aachen ermittelte, dass deutsche Stromkunden mit Treue zu ihrem Anbieter im Jahr 2025 rund 11 Milliarden Euro mehr bezahlen als Wechselkunden – dies trifft vor allem Rentner, Vielbeschäftigte und Haushalte mit wenig Wechselbereitschaft. Während im Ausland Regulierungen existieren, hinkt Deutschland hinterher, was vor allem ärmere Bevölkerungsschichten überdurchschnittlich belastet. Viele Details der Preisgestaltung bleiben zudem intransparent, was es Verbrauchern erschwert, das eigene Einsparpotenzial zu erkennen – eine Lösung, so die Studienmacher, könnte nur durch stärkere politische Vorgaben herbeigeführt werden. Nach weiteren Recherchen zeigt sich, dass die Debatte um soziale Gerechtigkeit auf dem Energiemarkt an Fahrt gewinnt: Laut aktuellen Meldungen befassen sich nicht nur Verbraucherschützer, sondern auch die Politik verstärkt mit der sozialen Komponente von Energiepreisen; einzelne Bundesländer denken über Preisregulierungen nach und fordern mehr Preistransparenz und geringere Wechselhürden, um Benachteiligungen für Bestandskunden abzufedern. Außerdem greifen die Medien in Deutschland das Thema energisch auf – einige bezeichnen die momentane Praxis als „Strafsteuer für Treue“ und mahnen einen Wandel im Verbraucherschutz an. Auch die Bundesnetzagentur hat in ersten Stellungnahmen angekündigt, die Situation kritischer zu beobachten.