Südekum warnt vor Tankrabatt als Schnellschuss

Im Sog der steigenden Spritpreise durch den wachsenden Iran-Konflikt mahnt Jens Südekum, Berater des SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil, zur Besonnenheit: Eilige Maßnahmen wie ein Tankrabatt könnten mehr schaden als nutzen.

heute 14:28 Uhr | 7 mal gelesen

Es ist verführerisch: Sobald das Benzin teurer wird und die Schlagzeilen von Krisen berichten, ruft irgendjemand nach dem Tankrabatt. Aber Jens Südekum macht da einen klaren Punkt: Vielleicht sollten wir nicht gleich über die üblichen Werkzeuge diskutieren, solange überhaupt nicht absehbar ist, wie schlimm die Lage wirklich wird. "Solche Debatten schüren Hoffnungen – ganz ohne eine solide Grundlage", sagte Südekum der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er erinnert daran, dass Europa bei Weitem nicht so abhängig von Energieimporten aus der Golfregion ist wie Länder wie China. Im Augenblick sehe die Versorgung stabil aus – selbst wenn die Preise anziehen, könne sich das erfahrungsgemäß auch schnell wieder beruhigen. Südekum glaubt nicht, dass die Politik gerade jetzt einschreiten müsse – und wahrscheinlich werde es auch nicht so weit kommen. Sein Tenor: Mit etwas Glück entspannt sich die Lage, und wenn wichtige Handelsrouten wie die Straße von Hormus offen bleiben, normalisieren sich die Preise zügig, das hätten frühere Krisen gezeigt. Interessant: Während amerikanische Energieunternehmen kräftig am Preisanstieg verdienen, leidet China als größter Abnehmer – bei uns schlägt es lediglich am Weltmarkt durch. Für US-Bürger könnten sogar die höheren Spritpreise politisch brisant werden: Sie bringen den LNG-Konzernen Gewinne, doch Donald Trump riskiert, durch steigende Kosten Wähler zu verlieren. Vielleicht sogar ein Anreiz für eine rasche Beruhigung des Konflikts. Ganz so eindeutig, wie es auf den ersten Blick wirkt, ist der globale Ölmarkt also nie.

Jens Südekum plädiert für Zurückhaltung bei politischen Reaktionen auf die aktuellen Spritpreisschwankungen, ausgelöst durch die Spannung im Nahen Osten. Er betont, dass Europas Energieversorgung bislang nicht gefährdet ist und preispolitische Schnellschüsse wie ein Tankrabatt sowohl trügerische Erwartungen wecken als auch den Markt verzerren könnten – und das angesichts der Tatsache, dass die Preisentwicklung häufig ebenso rasch wieder zurückgeht. Zudem weist er darauf hin, dass vor allem US-Konzerne an der aktuellen Situation verdienen, während höhere Spritpreise in den USA zu politischen Verwerfungen führen könnten. Laut aktuellen Analysen aus der Presse gibt es tatsächlich keine Engpässe bei der Versorgung, und Experten warnen, dass kurzfristige Steuermaßnahmen (wie Tankrabatte) in der Vergangenheit oft wenig gebracht haben – Beispiele wie der Tankrabatt im Jahr 2022 zeigen, dass vieles davon bei Unternehmen und nicht bei den Verbrauchern ankam. Die politische Debatte bleibt dennoch dynamisch, da insbesondere sozial schwächere Haushalte unter Energiepreisschüben massiv leiden. Neue Impulse fordert etwa Greenpeace: Statt Rabatten sollten nachhaltige Mobilitätsformen und gezielte Hilfen für Bedürftige im Vordergrund stehen.

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