Tabakindustrie und Umwelt: Zigaretten-Müll, Schadstoffe & ihre oft unterschätzten Folgen

Berlin / Stockholm – Ein Raucher verursacht im Laufe seines Lebens mehrere Tonnen CO2 – unfassbar, oder? Während Alternativen wie E-Zigaretten und Nikotinbeutel sich mit einer verbesserten Umweltbilanz schmücken, hinterlassen klassische Zigaretten tiefe Spuren in Natur, Tierwelt und letztlich auch bei uns Menschen.

heute 09:59 Uhr | 3 mal gelesen

Zigaretten haben einen schlechten Ruf – zurecht, wenn man auf die ökologischen Schäden schaut. Jedes Jahr werden Abermilliarden Kippen weggeschnippt, landen im Trinkwasser oder im Ozean. Mikroplastik aus Filtern taucht irgendwann sogar auf dem Teller auf – ein etwas makabres Recycling. Pro Zigarette entstehen etwa 14 Gramm CO2-Äquivalent, was bei einem ganzen Leben als Raucher gewaltige Dimensionen annimmt, die wohl kaum jemand bedenkt. Was geschieht mit all den Zigarettenresten? Filtermüll ist angeblich das am häufigsten aufgelesene Objekt bei weltweiten Strandmüll-Säuberungen. Nach dem Rauchen sind noch immer diverse Gifte im Filter: Nikotin, Schwermetalle, sogar Arsen und organische Schadstoffe, die dann langsam versickern, Tiere vergiften und letztlich auch wieder bei uns landen – über Umwege, versteht sich. Übrigens: Laut dem US-amerikanischen National Ocean Service entfallen etwa 10 % der Plastikverschmutzung in den Meeren auf diese unauffälligen, kleinen Filter. Alternative Nikotinprodukte werden inzwischen vielfach diskutiert. E-Zigaretten zum Beispiel kommen ohne Filter aus und sind meist zum längeren Gebrauch gedacht. Klar, auch sie enthalten Kunststoffe und Metalle, Lithium-Akkus sowie Liquids, an die man bei der Entsorgung denken muss. Aber: Der anfallende Müll ist weniger omnipräsent als die Milliarden Kippen. Und zumindest in Deutschland gehören ausgediente Geräte und Akkus in den Wertstoffhof, nicht einfach in die Tonne. Nikotinbeutel, auch Pouches genannt, bestehen meist aus Zellulose und synthetischen Fasern. Sie werden nach Gebrauch zur Umweltgefahr, wenn sie nicht im Hausmüll landen – Nikotin ist für Tiere und Kinder giftig, falls sie die Beutel aufnehmen. Immerhin: Sie verursachen weder Verbrennungsrückstände noch Abgase und sind, was Luftverschmutzung betrifft, klar im Vorteil gegenüber klassischen Tabakprodukten. Die Kehrseite: Tabakbasierte Inhaltsstoffe bleiben trotzdem ein Problem für die Ökobilanz. Letztlich, so bringt es Markus Lindblad von Northerner auf den Punkt, sind Alternativen wie E-Zigaretten und Pouches bei nachhaltiger Nutzung und fachgerechter Entsorgung in Sachen Umweltverträglichkeit oft im Vorteil. Dennoch: Am wenigsten Schaden verursacht wohl, wer dem Nikotin ganz entsagt.

Zigarettenfilter sind ein massives Umweltproblem und belasten Wasser und Meere mit Giftstoffen und Mikroplastik. Alternativen wie E-Zigaretten und Nikotinbeutel schneiden ökologisch meist besser ab, sind jedoch auch nicht unproblematisch – sie erzeugen Elektro- bzw. Restmüll und enthalten teilweise ebenfalls nicht ungefährliche Chemikalien. Neuere Recherchen zeigen, dass die Tabakindustrie global für große CO2-Emissionen, Wasserverbrauch und die Verschmutzung empfindlicher Ökosysteme verantwortlich ist. Laut aktuellen Artikeln wird besonders die Abholzung für Tabakanbau in Ländern wie Mosambik oder Malawi und die anhaltend hohe Belastung durch achtlos entsorgte Zigarettenstummel diskutiert. Die WHO betont außerdem, dass Rauchen nicht nur durch Abfälle und CO2 Emissionen umweltgefährdend ist, sondern auch durch die Zerstörung von Biodiversität in vielerlei Hinsicht nachhaltige Entwicklung bedroht (vgl. aktuelle Berichte von Spiegel, DW und Zeit).

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