Start-up-Verband: Mehr Flexibilität beim Kündigungsschutz für Besserverdiener gefordert

Verena Pausder, Vorsitzende des Bundesverbands Deutsche Startups, fordert, die Regeln zum Kündigungsschutz bei hohen Einkommen für junge Unternehmen zu lockern. Sie sieht Hürden, die Startup-Gründern das Atmen erschweren.

heute 10:00 Uhr | 4 mal gelesen

Kennen Sie das: Ein Start-up stellt mit viel Aufwand einen Spezialisten ein, merkt nach ein paar Monaten aber, dass die Chemie nicht stimmt oder das Know-how doch nicht zum Bedarf passt – und dann kommt der deutsche Kündigungsschutz mit voller Wucht. 'In Deutschland sind die Kosten für Personalentscheidungen oft so hoch, dass kleinere Firmen kaum Bewegungsfreiheit haben', ärgert sich Pausder im FAZ-Interview. Sie meint damit vor allem diejenigen Stellen, die richtig gut bezahlt werden, aber nicht ins Team passen. Ihre Idee ist keine pauschale Abschaffung des Kündigungsschutzes – das betont sie ausdrücklich. Sondern, aus ihrer Sicht, sollten Start-ups in den ersten Jahren seit Gründung flexibler agieren dürfen. Beispielsweise könnte man diese gelockerte Regelung an das Unternehmensalter knüpfen – mit Blick auf hochqualifizierte Fachkräfte, die laut Pausder sowieso schnell neue Jobs finden. Und wenn nicht, könnten sie mit ein paar Monaten ohne Einkommen besser umgehen als andere Gruppen. Sie bringt zudem eine verbindliche und klare Abfindungsregel ins Spiel, damit langwierige und teure Rechtsstreitigkeiten künftig entfallen werden. Denn, sagt sie, die meisten Urteile bei Kündigungsschutzklagen seien vorhersehbar, der ganze Prozess koste nur Nerven, Geld und Zeit, sowohl für die Firmen als auch die Gerichte.

Die Diskussion um flexibleren Kündigungsschutz, wie sie von Pausder angestoßen wurde, ist in Deutschland keineswegs neu und trifft auf ein gespaltenes Echo. Während die einen mehr Dynamik und weniger Bürokratie begrüßen, warnen andere Stimmen vor einer möglichen Benachteiligung von Beschäftigten und dem Verlust sozialer Standards. Interessant ist: Gerade in der Gründerszene herrscht ein Drang nach Experimentierfreude und flachen Hierarchien – was traditionelle arbeitsrechtliche Schranken oft als Hemmnis erscheinen lässt. Aktuelle Recherchen ergeben, dass auch Initiativen aus der Politik und Wirtschaft fordern, die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen für junge, innovative Firmen zu modernisieren. Pausders Vorschlag fügt sich damit in eine breiter werdende Debatte, die auch anderswo in Europa zu beobachten ist.

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