Wieso verschwindet ausgerechnet Hugo – das Kind einer einst allseits gefeierten Promi-Familie – auf so mysteriöse Weise, während seine kleine Schwester tot aus einem Fluss geborgen wird? War das ein Unfall, ein perfides Verbrechen, oder – ungemütlicher Gedanke – ein verhängnisvolles Zusammenspiel familiärer Abgründe? Im aktuellen Stuttgarter Tatort kämpfen Kommissar Lannert und sein Kollege Bootz mit einem Fall, der harmlos als Autodiebstahl beginnt, aber sich schnell in einen Strudel aus Entführung, zerbrechender Ehe und Promi-Verfall verwandelt. Sicher, die Ausgangslage – SUV gestohlen mit Kids auf dem Rücksitz, Regen peitscht gegen die Scheiben – wirkt erst nach Standard, doch dann stolpert man als Zuschauer in eine nahezu kafkaeske Beziehungshölle: Mutmaßungen, alte Vorwürfe, ein leiser Hauch von Neid auf die vergangene Strahlkraft der Mutter. Dass Pony – damit gewinnt der Name plötzlich eine scharfe Ironie – Hübner einst als It-Girl durch die Klatschspalten flanierte, ist in der Polizeistation längst Geschichte. Während ihr Mann inzwischen Influencerinnen vermarktet, bleibt ihre eigene Welt im Stillstand zurück, ausgeleuchtet vom kalten Licht der Einsatzwagen. Es tauchen Erpresserbriefe auf, die Hoffnung wächst, dass Hugo vielleicht entführt und noch am Leben ist. Wer will hier eigentlich noch was – Aufmerksamkeit, Geld, vielleicht schlicht das Gefühl, gesehen zu werden, verloren wie ein Kind in einer langen, dunklen Nacht?
Die Besetzung liest sich wie ein Who’s who der deutschen Krimi-Szene, ergänzt um Charaktergesichter aus dem Theater – man spürt den Ehrgeiz, das Drehbuch von Wolfgang Stauch unter Friederike Jehn filmisch packend zu gestalten. Interessanterweise bleibt der Ablauf gelegentlich spröde, wenig geschliffen im persönlichen Nahkampf der Figuren – und das wirkt ziemlich echt. Weit weg von reiner TV-Kulisse, bietet sich ein Abgrund aus zerzausten Träumen, Ängsten und unausgesprochenen alten Rechnungen. Wer den Fall bereits vorab sehen will, hat als akkreditierter Journalist im ARD-Vorführraum Gelegenheit dazu.
Der neue "Tatort: Ex-It" inszeniert einen psychologisch aufgeladenen Fall um gleich zwei verschwundene Kinder, bei dem neben dem öffentlichen Glanz der Vergangenheit die tragische Gegenwart der Hübner-Familie entblättert wird. Laut aktuellen Pressestimmen wird insbesondere die zerrüttete Dynamik zwischen den Eltern sowie der brüchige Umgang mit Medien und Prominenz thematisiert, während die polizeiliche Ermittlungsarbeit realistisch-nüchtern angelegt ist, ohne den Krimi ins Spektakuläre abgleiten zu lassen. Im Fokus steht nicht die Sensation, sondern die leise Tragik und Abhängigkeit der Figuren – ein cleverer Umbruch gegenüber so mancher reißerischer TV-Erzählung. Neue Debatten im Umfeld von Medienöffentlichkeit, der Rolle der Sozialen Netzwerke für Prominente nach dem Absturz sowie psychische Folgen für Kinder in solchen Kontexten liefern dem Krimi zusätzliche Aktualität. Gerade die Frage, wie öffentliche und private Identität in den sozialen Medien verschwimmen und Familien unter dem Druck zusammenbrechen, sorgt laut jüngster Berichterstattung verschiedener Leitmedien für Gesprächsstoff.