Tricia Tuttle vorerst weiter an der Spitze der Berlinale

Die Leitung der Berlinale bleibt zunächst in den Händen von Tricia Tuttle – trotz jüngster Debatten um die Ausrichtung des Festivals.

heute 10:59 Uhr | 1 mal gelesen

Mehrere Zeitungen berichten einhellig unter Berufung auf den Sprecher von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer: Tricia Tuttle bleibt zunächst Chefin der Berlinale. Am Donnerstagmorgen tagte der Aufsichtsrat der KBB GmbH im Kanzleramt, wie angekündigt. Die Diskussionen darüber, wohin sich die Berlinale inhaltlich bewegen soll, gehen in den kommenden Tagen weiter – diesmal zwischen Tuttle und den Mitgliedern des Aufsichtsrats. Weimer hatte die Versammlung angesetzt, um die Debatte über die Zukunft der Berlinale auf eine formelle Ebene zu heben. Medien, darunter „Bild“, hatten tags zuvor vermeldet, Weimer wolle Tuttle entlassen. Hintergrund der Kontroverse ist eine Reihe von Antisemitismus-Vorwürfen auf dem diesjährigen Festival. Besonders in die Kritik geriet eine Rede des syrisch-palästinensischen Regisseurs Abdallah Alkhatib während der Preisverleihung, die für große Diskussionen sorgte. Doch nach den Entlassungsgerüchten sammelten sich viele Filmschaffende und Berlinale-Mitarbeiter offen hinter Tuttle. Eher ungewöhnlich für so einen Wirbel: Im Kulturbetrieb äußerten viele ihre Solidarität ungewohnt laut.

Tricia Tuttle, die aktuelle Intendantin der Berlinale, bleibt vorerst im Amt, während die Debatte um die zukünftige Ausrichtung des Festivals weiterläuft. Die Diskussionen wurden durch Antisemitismusvorfälle bei der diesjährigen Berlinale befeuert, insbesondere nach einer umstrittenen Rede von Abdallah Alkhatib. Trotz Forderungen nach ihrer Abberufung, unter anderem ausgelöst durch Berichte über mögliche personelle Konsequenzen seitens Kulturstaatsminister Weimer, zeigten zahlreiche Filmschaffende und Mitarbeitende öffentlich Rückhalt für Tuttle. Stand jetzt gibt es keinen offiziellen Beschluss über eine Absetzung – die Gespräche zwischen Tuttle und dem Aufsichtsrat dürften auch über die nächsten Tage hinaus zäh bleiben. Neue Entwicklungen oder überraschende Wendungen sind möglich, denn der Druck aus Filmbranche und Politik ist hoch. Laut aktuellen Reports aus der Presse und Branchen-Portalen spitzt sich die Debatte weiter zu, insbesondere weil einige Stimmen neue Kriterien für Redebeiträge auf Preisverleihungen einfordern. Zudem wird Tuttle für ihren sachlichen und vermittelnden Umgang mit Kritik gelobt. Parallel diskutiert die Berliner Film- und Kulturszene, wie das Festival künftig sowohl politisch als auch künstlerisch positioniert werden soll.

Schlagwort aus diesem Artikel