Union gegen Preisdeckel für Deutschlandticket: Streit um ÖPNV-Kosten

Die Union blockiert die Forderung der Länderverkehrsminister, wegen steigender Energiepreise das Deutschlandticket weiterhin auf 63 Euro zu begrenzen. Stephan Stracke (CSU) argumentiert mit Autopendlern und verweist auf fehlende Festpreise für Sprit.

heute 11:59 Uhr | 3 mal gelesen

Stracke, bekannt für klare Worte, stellte im Gespräch mit der "Rheinischen Post" klar: Nicht jeder kann einfach so vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen – vor allem im ländlichen Raum ist das schlichtweg unrealistisch. Viele Familien sind aufs Auto angewiesen, um zum Beispiel zur Arbeit oder zum Kindergarten zu kommen, weil der nächste Bus oft erst lange nach Sonnenaufgang, wenn überhaupt, vorbeirollt. Die Forderung, Spritpreise kurzfristig abzufedern, hält er deshalb für nachvollziehbar. Einen eingefrorenen Deutschlandticket-Preis findet er dagegen verfrüht – insbesondere, solange die Unwägbarkeiten im Nahen Osten und deren Auswirkungen nicht absehbar sind. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) sieht es anders: Für ihn steht fest, dass der Preis für das Deutschlandticket nicht steigen darf, jedenfalls nächstes Jahr nicht. Er fragt sich, warum der öffentliche Nahverkehr zurückstecken soll, wenn für Autofahrer und sogar für die Luftfahrt Milliarden locker gemacht werden. Ehrlich gesagt – da kann man schon mal ins Grübeln kommen.

Die Debatte um die Preisgestaltung des Deutschlandtickets nimmt Fahrt auf: Während die Unionsfraktion angesichts hoher Benzinpreise und mangelnder Alternativen im ländlichen Raum einen Preisstopp für das Ticket ablehnt, pochen Länderminister wie Oliver Krischer auf bezahlbaren Nahverkehr. Die Diskussion wird zusätzlich durch die allgemeine Energiekrise und die geopolitische Unsicherheit verschärft. Laut aktueller Berichte haben Bund und Länder weiterhin Streitigkeiten über die Finanzierung des 49-Euro-Tickets; eine Lösung scheint derzeit nicht in Sicht. Die Gewerkschaft Verdi warnt vor Preiserhöhungen, die den ÖPNV für viele unattraktiv machen könnten. In Großstädten wird das Ticket besser angenommen als im ländlichen Raum, was langfristig als Knackpunkt für die Finanzierung gilt. [Quelle: www.sueddeutsche.de, www.faz.net, www.zeit.de]

Schlagwort aus diesem Artikel