Von der Leyen überrascht mit einer ungewöhnlichen Detailtiefe: Es sei nicht genug, nur einen Kostenfaktor anzugehen, so die CDU-Politikerin in Straßburg. Sie listet auf: Über die Hälfte der Stromrechnung entfalle auf die eigentlichen Energiekosten – mit verblüffenden 56 Prozent. Netzentgelte machen zusätzlich 18 Prozent aus, Steuern und Abgaben 15 Prozent, und selbst die CO2-Kosten schlagen mit durchschnittlich elf Prozent zu Buche. Natürlich, das klingt erst mal nach Mathematik – aber bei genauem Hinsehen offenbart sich: An jedem einzelnen dieser Posten kann, vielleicht sogar muss, geschraubt werden.
Das Marktdesign will von der Leyen grundsätzlich bewahren. Trotzdem, so betont sie, müsse verhindert werden, dass teures Gas weiterhin als Preisanker fungiert. Konkret spricht sie von mehreren Lösungsansätzen – darunter eine intelligentere Nutzung von Strombezugsverträgen (der berühmte "Contract for Difference" lässt grüßen), gezielte staatliche Unterstützung oder sogar die Einführung von Gaspreis-Obergrenzen. Es sind diese Optionen, die in Brüssel derzeit auf den Tisch kommen – wobei offen bleibt, welches Modell tatsächlich alltagstauglich wäre.
Ein etwas überraschender Einwurf: Beim Netzentgelt sieht von der Leyen auch technische Reserven. Sie spricht von "Produktivitätszuwachs im Netz", was wohl bedeutet, den Verlust erneuerbarer Energie durch bessere Infrastruktur zu verringern. Auch bei Steuern, Abgaben und dem anstehenden Update des Emissionshandels glaubt sie an Spielräume. Kurzum: Es reicht nicht, nur an einer Stellschraube zu drehen – gerade in dieser Gemengelage.
Ursula von der Leyen hat sich im EU-Parlament eindeutig zur Aufgabe bekannt, die Energiepreise für Verbraucher und Firmen spürbar zu senken. Ihr Plädoyer geht über einfache Einmalzahlungen hinaus: Sie will systematisch alle Preiskomponenten – Stromkosten, Netzentgelte, Steuern/Abgaben und CO2-Kosten – unter die Lupe nehmen. Besonders diskutiert wird aktuell in der EU, dass nicht Gas automatisch den Preis für alle Stromarten bestimmen sollte; entsprechende Reformansätze reichen von Preisdeckeln über Subventionen bis zu Contracts for Difference. Aktuelle Diskussionen aus Medien und Politik bestätigen eine gewisse Unsicherheit: Während einige Länder wie Spanien bereits Preisdeckel eingeführt haben, stehen andere Staaten und viele Unternehmen Subventionen skeptisch gegenüber. Gleichzeitig mahnen Klimaschützer, dass allzu starke Preiseingriffe die Energiewende ausbremsen könnten. Jüngste Medienberichte heben hervor, wie komplex die Balance zwischen Verbraucherschutz, Klimazielen und Markteffizienz ist. (Hierzu ergänzend: Am Dienstag einigten sich die EU-Energieminister darauf, die Beratungen über Notfallmaßnahmen zu vertiefen; Details hierzu werden in den kommenden Wochen erwartet.)