US-Kapital zieht sich aus Europa zurück: Strategin erklärt Gründe

Ulrike Rondorf, die bei Lampe Asset Management die Investment-Strategie lenkt, sieht hinter dem Kursabrutsch an Europas Börsen nicht nur wirtschaftliche Probleme wie teure Energie – sondern vor allem das Verhalten großer US-Anleger.

03.03.26 22:31 Uhr | 6 mal gelesen

US-Investoren, die erst vor Kurzem verstärkt auf europäische und Schwellenländer-Aktien gesetzt hatten, zogen sich angesichts des Iran-Konflikts wieder zurück. Das hatte zu Jahresbeginn Schwung an den dortigen Märkten gebracht. Nun jedoch sorgt die geopolitische Unruhe dafür – so schildert es Rondorf im Handelsblatt-Podcast – dass amerikanische Fonds mit Nervosität reagieren und Kapital nach Hause holen. Gerade die erwartete Schwäche des US-Dollars hatte Schwellenländern zuvor Rückenwind gegeben. Doch die plötzliche Dollar-Stärke kommt jetzt ungelegen und erschüttert die Planung vieler emerging markets, darin immerhin wenig überraschend: Wenn’s an der politischen Front brennt, gehen die US-Kapitalgeber auf Nummer sicher. Der Euro ist parallel unter 1,16 gerutscht, was die Exporteure kurzfristig freut, aber gegen die allgemeinen Konjunktursorgen rund um Energiepreise kaum Gewicht hat. Wirtschaft braucht eben Verlässlichkeit – und einen verständlichen Dollar.

Was hinter der heftigen Korrektur an europäischen Börsen steckt, lässt sich nicht allein mit den Energiepreis-Schocks erklären; vielmehr treiben Eskalationen wie der Iran-Krieg US-Investoren dazu, riskante Engagements in Europa und Schwellenländern rasch abzustoßen. Der überraschende Anstieg des US-Dollars verstärkt dabei die Kapitalflucht, weil sich viele auf einen schwächeren Dollar eingestellt hatten. Für hiesige Unternehmen hat das Währungsgefälle kurzzeitig positive Effekte auf den Export, doch das überwiegt die wachsenden Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung kaum. – Aus aktuellen Medienberichten ergänzend: Die Turbulenzen ziehen auch andere Investoren an den Rand des Abwartens, wie verschiedene Wirtschafts- und Politportale berichten. Der Trend hin zur Vorsicht – egal in welchem Land – sorgt für eine nervöse Grundstimmung auf den Märkten.

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