Köln war an diesem 3. März spürbar aufgeladen, jedenfalls dort, wo sich die Medienwelt versammelt hatte. Inga Leschek (RTL Deutschland), Martin Gradl (RTL NEWS & ntv) und Leonhard Ottinger (RTL Journalistenschule) eröffneten die Jubiläumsfeier mit klaren Worten zur Bedeutung journalistischer Ausbildung, bevor NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, ihre Sicht auf den gesellschaftlichen Wert unabhängiger Berichterstattung teilten. Besonders aufgeladen war der Moment, als Peter Kloeppel – Gründungsdirektor und selbst für viele „das Gesicht“ des Hauses – live aus den USA zugeschaltet wurde. Seine Erinnerungen und Anmerkungen zur Entwicklung der Schule sorgten spürbar für Nostalgie unter den Gästen.
Stephan Schmitter, CEO von RTL Deutschland, kam zwar nicht persönlich – Videobotschaften können durchaus auch Charme haben: "Journalistische Unabhängigkeit ist unser wichtigstes Kapital", betonte er und versprach gleichzeitig, dass die exzellente Ausbildung an der RTL Journalistenschule weiter Herzstück bleibe. Martin Gradl – Absolvent des allerersten Jahrgangs – hob den Wert der Nachwuchsarbeit hervor. Interessant und irgendwo ein bisschen bewegend: Er sprach offen darüber, was die Ausbildung für ihn persönlich bedeutet hat und dankte seinem einstigen Team aus tiefster Überzeugung.
Die Politiker-Statements – nicht selten klischeehaft, aber hier ungewöhnlich klar: Hendrik Wüst blickte zurück auf 13 Jahrgänge und über 350 Absolventen, die weit über NRW hinaus in der Medienwelt Spuren hinterlassen haben. Für ihn ist die Journalistenschule ein Symbol für Innovationsmut und demokratische Grundwerte. Und auch Dr. Schmid von der Medienanstalt ließ keinen Zweifel: Mutige Journalist_innen seien der Kitt, der Gesellschaft zusammenhält. Schon interessant, wie deutlich die Rolle der Ausbildung betont wurde – fast als Antwort auf die aktuellen medialen Stürme.
Noch eine kleine Randnotiz: Die Schule startete am 2. Januar 2001 als erste TV- und Multimedia-Journalistenschule in Deutschland. Heute blickt man auf 353 Alumni, aktuell werden 33 junge Menschen auf zwei Jahrgänge verteilt fit für die Branche gemacht. Fast beiläufig: Zum Jubiläum wurde auch ein Podcast gelauncht – „25 Journis“, mit Gesprächen und Erinnerungen von 25 Absolvent:innen. Die ersten Folgen gibt’s online, falls jemand in Erinnerungen oder Inspiration schwelgen will.
Die Feier zum 25-jährigen Bestehen der RTL Journalistenschule wurde zu einer Art Branchengipfel in Köln – sowohl für aktuelle Medienschaffende als auch für Politik und Ausbildungsexpert:innen. Neben emotionalen Reden stand besonders die Rolle unabhängiger und fundierter Journalist:innen für Gesellschaft und Demokratie im Mittelpunkt. Angesichts aktueller Debatten um Medienvertrauen, Digitalisierung und Nachwuchs ist diese Jubiläumsfeier beinahe ein politisches Statement: Die Schule steht für Innovationskraft und Werte – und will das offenbar auch bleiben.
Erweiterung: In den letzten Tagen wurde das Thema Medien-Ausbildung und die Relevanz von Qualitätsjournalismus unter erschwerten Bedingungen (Stichwort: Fake News, sinkende Reichweiten) auch in anderen Medien diskutiert. Unter anderem berichtet die Süddeutsche über den steigenden Bedarf an Faktenchecks in den deutschen Medienhäusern angesichts der Europawahlen, während die FAZ sich mit Reformüberlegungen für journalistische Ausbildungslandschaften auseinandersetzt. Die Debatte um Pressefreiheit und Medienpluralismus – befeuert vor allem durch politische Interventionen oder Internet-Regulierung – zieht sich wie ein roter Faden durch die Berichterstattung.