Volksbank-Chef sieht Risiken bei Enteignungsplänen für Berliner Wohnungen
Carsten Jung, Vorstandsvorsitzender der Berliner Volksbank, warnt eindringlich vor den politischen Plänen zur Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne in Berlin. Im hitzigen Wahlkampf, wo bezahlbare Mieten im Mittelpunkt stehen, wird die Debatte zunehmend schärfer geführt, doch Jung sieht darin eine echte Gefahr für Wirtschaft und Investorenvertrauen.
heute 14:56 Uhr | 1 mal gelesen
Die Diskussion um die Vergesellschaftung privater Wohnungsunternehmen in der Hauptstadt wirft aktuell hohe Wellen. Jung, der die Berliner Volksbank leitet – immerhin eine der bedeutendsten Genossenschaftsbanken im Land –, mahnt deutlich: Würden Tausende Wohnungen enteignet, entstünde daraus ein Dammbruch, der nicht nur Berlin, sondern das gesamte Investitionsklima in Deutschland erschüttern könnte. Und das, obwohl laut Jung kein einziger Quadratmeter neuer Wohnraum auf diese Weise entstünde.
Der Wohnungsmarkt wird im Berliner Wahlkampf intensiv diskutiert, die Not nach mietbaren Wohnungen ist riesig. Gerade „Die Linke“ und Initiativen wie „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ setzen sich für weitgehende Enteignung privater Großvermieter ein – über einen möglichen Volksentscheid wollen sie einen klaren Schnitt zugunsten der öffentlichen Hand erreichen. Der Haken daran: Fiele das Grundpfandrecht an den betroffenen rund 220.000 Wohnungen weg, kämen Banken unter gehörigen Druck, denn viele dieser Immobilien sind beleihungsgesichert finanziert.
Laut Jung müssten Banken dann Kredite in Milliardenhöhe frühzeitig einfordern, was einen Dominoeffekt nach sich ziehen kann: drohende Insolvenzen großer Vermieter und Erschütterungen im gesamten Immobiliensektor sind möglich. Auch sehe er erhebliche Gefahren für die Bonität von Berlin. Die Haushaltslage der Stadt ist angespannt – teurere Kreditaufnahmen könnten durch Vertrauensverlust noch wahrscheinlicher werden. Übrigens: Gerade in Wahlkampfzeiten, wenn alle aufgeregt sind, gehen solche ökonomischen Zusammenhänge gerne im Lärm unter.
Jung betont, dass die Vergesellschaftung zwar auf den ersten Blick wie eine Lösung für überteuerte Mieten wirkt, jedoch zentrale Funktionsweisen des Marktes untergräbt. Würde Berlin tatsächlich einen solch weitreichenden Schritt wagen, könnten nicht nur Banken und Immobilienkonzerne, sondern letztlich auch Mieter und der städtische Haushalt die Verlierer sein.
Tatsächlich beobachten viele Branchenexperten aktuell eine zurückhaltende Investitionstätigkeit im Berliner Wohnungsmarkt – manche Akteure scheinen abzuwarten, wie die politische Debatte ausgeht. Studien von Immobilienverbänden verweisen zudem darauf, dass ein Vertrauensverlust in den Berliner Immobilienmarkt Risiken für Bauprojekte und Renovierungen nach sich zieht. Auf Bundesebene wird die Diskussion um Enteignungen mittlerweile besonders kritisch gesehen, gerade weil sie von ausländischen Investoren als Warnsignal für die Verlässlichkeit von Eigentum in Deutschland bewertet wird.