Irgendwie zieht sich das Thema wie ein roter Faden durch die Gespräche in den Agrarkreisen: Die politischen Spannungen rund um den Iran treffen nicht nur die Energiepreise, sondern reißen auch Löcher in die Kalkulation der Bauern. Ich habe dazu Zahlen gewälzt, die Entwicklung verfolgt – und muss sagen: Die Warnung von Rukwied wirkt keinesfalls übertrieben. Die Stickstoffpreise klammern sich an ein hohes Plateau, während die Vorräte für die bevorstehende Saison fast auf dünnem Eis tanzen. Wirklich beruhigen konnte mich dabei nicht, dass bislang keine faktischen Engpässe sichtbar wurden. Rukwied bringt es auf den Punkt: Viele Betriebe arbeiten längst am Limit. Wenn jetzt noch ein unerwarteter Preissprung kommt – und seien wir ehrlich, das ist angesichts des wackeligen Gasmarktes mehr als möglich – könnte das für viele das wirtschaftliche Aus bedeuten.
Dass ausgerechnet die Hoffnung jetzt kein guter Ratgeber ist, mag für manche hart klingen, trifft aber den Kern. Wer aktuell nicht gegensteuert, riskiert, dass die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln zu einer Art Lotteriespiel wird. Nebenbei drücken auch die Dieselpreise, was für die meisten Betriebe keine vernachlässigbare Größe ist. Die Forderung nach einer Absenkung der Energiesteuer und einer Entlastung bei der CO2-Bepreisung ist daher nicht aus der Luft gegriffen. Statt kurzfristiger kosmetischer Maßnahmen – wie etwa das Aussetzen einiger Zölle, das am Ende von der CO2-Grenzabgabe wieder aufgefressen wird – sollte es wohl eher um echte, nachhaltige Unabhängigkeit bei Düngemitteln in Europa gehen. Interessant ist dabei: Je tiefer man in die Debatte einsteigt, desto mehr wird klar, wie sensibel das gesamte System ist. Ein einziger Funke genügt, und das Kartenhaus könnte ins Wanken geraten.
Der anhaltende Konflikt in der Golfregion, insbesondere der Iran-Krieg, erhöht das Risiko für eine Düngemittel-Knappheit in Deutschland, wie von Bauernpräsident Rukwied betont. Die Vorräte sind niedrig, die Preise für Stickstoffdünger dauerhaft hoch, und nach wie vor steht die Versorgungssicherheit auf Messers Schneide. Zugleich werden Forderungen nach einer vorübergehenden Senkung der Energiesteuer sowie nach langfristig größerer europäischer Unabhängigkeit in Sachen Düngemittel immer lauter. Nach neuesten Berichten sorgt auch eine mögliche Verschärfung von EU-Regulierungen bezüglich CO2-Grenzabgaben für Unmut in der Branche. Mehrere Agrarfirmen berichten laut taz.de und faz.net, dass die Unsicherheit um Gaspreise nicht nur kurzfristig, sondern auch für die kommende Saison die Planungen erschwert – viele Landwirte zeigen sich offen besorgt über ihre Wettbewerbsfähigkeit und Produktionsplanung. Zeitgleich berichten branchennahe Experten bei deutschland.de, dass die internationalen Lieferketten für wichtige Ausgangsstoffe wie Ammoniak zunehmend fragiler werden. Diese Mischung aus geopolitischem Risiko, Marktvolatilität und politischer Unsicherheit sorgt für eine gefährliche Mischung in der deutschen Agrarlandschaft.