Ramona Pop: Klare Regeln statt Social-Media-Verbot für Jugendliche?

Ramona Pop, Chefin der deutschen Verbraucherzentrale, stellt sich kritisch gegen allgemeine Social-Media-Verbote für junge Menschen und plädiert stattdessen für deutlich strengere Regulierung der Plattformen.

heute 01:02 Uhr | 2 mal gelesen

Ramona Pop, die das Steuer in der Bundesverbraucherzentrale festhält, sieht Social-Media-Verbote für Jugendliche eher skeptisch: „Ein simples Verbot bringt wenig und schließt junge Leute einfach nur aus“, merkt sie gegenüber der Funke-Mediengruppe an. Pop findet, dass Plattformen endlich zur Verantwortung gezogen werden müssen – halbherzige Selbstregulierung, das ist für sie Schnee von gestern. Ihr Beispiel: Viele Apps aktivieren ganz selbstverständlich die Standortfreigabe. "Da kann jeder in deiner Nähe dich ausfindig machen oder wild Nachrichten schicken – ehrlich gesagt, das macht mir Angst." Ebenso hält sie von endlosem Scrollen und Autoplay-Funktionen wenig: Das müsse gesetzlich unterbunden werden, sagt sie. Während EU-Expert:innen und zuletzt auch Familienministerin Karin Prien ein Verbot von sozialen Netzwerken für Kinder unter 13 fordern, geht Pop einen anderen Weg. Sie verweist auf frische Zahlen aus dem neuen (noch unveröffentlichten) Verbraucherreport: „81 Prozent der 14- bis 29-Jährigen fordern, die Anbieter viel stärker in die Pflicht zu nehmen, damit ihre Angebote wirklich sicher sind.“ Verbote allein? Für Pop eher ein Ablenkungsmanöver – die Verantwortung sieht sie bei den Unternehmen, nicht bei Kindern oder Eltern.

Ramona Pop wendet sich gegen ein pauschales Social-Media-Verbot für Jugendliche, da sie in solchen Maßnahmen nur einen scheinbar einfachen, aber letztlich unwirksamen Weg sieht. Sie fordert stattdessen gezielte und strenge Regulierungen von Plattformen, wie das Verbot automatischer Standortfreigaben und das Unterbinden von Endlos-Feeds oder Autoplay bei Videos. Laut unveröffentlichtem Verbraucherreport finden es die meisten jungen Erwachsenen zudem wichtiger, dass die Anbieter Verantwortung für Sicherheit übernehmen, statt junge Nutzer auszuschließen. Ergänzend dazu haben jüngste Diskussionen in der EU sowie von Bundesfamilienministerin Prien ein Mindestalter für die Nutzung von Social Media gefordert, doch die Kritik an generellen Verboten bleibt groß – viele Expert:innen plädieren für einen Mittelweg aus Schutzmaßnahmen und digitaler Teilhabe. Studien zeigen, dass übermäßige Social-Media-Nutzung das psychische Wohlbefinden insbesondere bei Jüngeren beeinträchtigen kann, gleichzeitig aber auch Möglichkeiten für Bildung und soziale Kontakte bietet. In Deutschland wird derzeit verstärkt über Transparenzpflichten, technische Zugangsbeschränkungen und bessere Aufklärung debattiert, damit Kinder sicherer und souveräner mit digitalen Diensten umgehen lernen.

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