Warnsignal aus den Gasspeichern: Mit Millionenaufwand zur Versorgungssicherheit

Ein Sonderpuffer für das deutsche Gasnetz, notwendig durch rapide fallende Speichervorräte, wird dem System knapp 60 Millionen Euro kosten.

heute 12:39 Uhr | 4 mal gelesen

Das Wirtschaftsmagazin 'Capital' berichtet, gestützt auf Angaben von Trading Hub Europe (THE), dass eine kurzfristig anberaumte Sonderausschreibung zur Beschaffung zusätzlicher Regelenergie für das deutsche Gasnetz etwa 59,1 Millionen Euro verschlingen wird. Laut einer Unternehmenssprecherin konnte der gesamte geforderte Energiebedarf durch die Auktion gedeckt werden – aus Sicht von THE ein zufriedenstellendes Resultat, zumindest nach außen. Hintergrund ist Folgender: THE fungiert als so eine Art Korrektiv, das den Ausgleich von Angebot und Nachfrage auf dem Gasmarkt steuert. Vereinzelt ist zusätzlicher, schnell verfügbarer Regelenergiebedarf zu decken – manchmal kurzfristig, manchmal im Rahmen längerer Verträge, also Optionen. Da die Gasspeicher im Land deutlich geschrumpft sind, musste THE Anfang Februar ein Sonderverfahren für extra Regelenergiekapazitäten für die Zeit bis Mitte März starten – konkret etwa auch für Speicher in Bayern. Kommt es zu Engpässen, dienen diese Zusatzmengen als Puffer. Übrigens: Optionen auf längerfristige Gaskapazitäten, sogenannte Long-Term Options (LTO), hatte THE schon im Herbst in Großmengen gesichert – für rund 50 Millionen Euro allein für Januar bis März. Die jetzt ausgeschriebenen 36.300 Megawatt für einige Wochen sind ein Indiz dafür, dass die Situation im Gassektor angespannt bleibt, meinen Fachleute. Finanziert wird dies nicht zuletzt durch eine spezielle Umlage, die letztlich wohl jeder zahlt. Das Bundeswirtschaftsministerium betonte, man habe noch keinen Kosteneinblick, und stellte klar: Diese Ausschreibung diene als reine Vorsichtsmaßnahme für hochbelastete Momente im Netz – keinerlei Gasumlage im klassischen Sinne. Die Maßnahmen sollen besonders im Süden, etwa in Zeiten, wenn noch kein LNG aus dem Norden angekommen ist, die Netzstabilität sichern.

Die jüngste Sonderausschreibung von Trading Hub Europe resultiert aus den besorgniserregend niedrigen Füllständen der deutschen Gasspeicher, die angesichts der aktuellen Wetterlage und geopolitischer Unsicherheiten als kritisch gelten. Diskutiert wird mittlerweile auch, wie effektiv diese präventiven Maßnahmen tatsächlich sind und ob die Kosten am Ende gerecht verteilt werden – zumal der Gasverbrauch trotz milder Temperaturen immer noch hoch ist. Interessant dabei: Im politischen Diskurs werden Rufe nach einer beschleunigten Energiewende lauter, da kurzfristige Notmaßnahmen wie diese immer wieder erhebliche Summen verschlingen, ohne echte strukturelle Lösungen für die Energiezukunft zu bieten.

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