"Die Prozesse, in denen Menschen im Netz radikalisiert werden, verlaufen mittlerweile viel rasanter als noch vor wenigen Jahren." Mit diesen Worten beschreibt Zieschang das aktuelle Problem — und das quer durch verschiedene Formen des Extremismus. "Erschreckend ist, wie schnell sich etwa islamistische oder rechtsextremistische Inhalte verbreiten. Ein Beispiel fällt mir besonders auf: Ein Bild, das von Anhängern des IS online geteilt wurde und direkte Gewaltaufrufe enthielt. Wenn solche Inhalte ein großes Publikum erreichen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Einzelpersonen zur Nachahmung angestachelt fühlen." Ein besonderes Augenmerk legt Zieschang auf rechtsextreme Gruppen in Sachsen-Anhalt, die sich häufig nur lose zusammentun und vor allem online in den sozialen Medien organisieren. Für die Polizei bedeutet das ein schwierigeres Vorgehen, da klassische festgefügte Strukturen fehlen. Optisch, so Zieschang, erinnerten manche Gruppen wieder stärker an die sogenannten Baseballschlägerjahre der Nachwendezeit — allerdings ohne den gesellschaftlichen Rückhalt von damals. "Klar ist: Gesellschaftlich wird Gewalt nicht mehr toleriert", betont sie. Auch die Zahl an Störaktionen gegen CSD-Veranstaltungen sei rückläufig, was sie als positive gesellschaftliche Entwicklung wertet. Und doch bleibt das Gefühl: Das Internet als Motor der Beschleunigung – nicht immer zum Guten.
Zieschang aus Sachsen-Anhalt macht auf ein unterschätztes Problem aufmerksam: Gewaltverherrlichende und extremistische Inhalte verbreiten sich im digitalen Raum in rasender Geschwindigkeit. Der Übergang zwischen normaler Meinungsäußerung und Radikalisierung verkürzt sich – für Behörden bringt das neue Herausforderungen, zumal Netzwerke häufig anonym bleiben. Besonders problematisch sind lose rechtsextreme Gruppen, die sich online zusammenschließen, typische erkennbare Zeichen aus den 1990ern aufgreifen, aber ohne gesellschaftliche Akzeptanz agieren. Neuere Recherchen zeigen, dass auch bundesweit die Polizei und Verfassungsschutz zunehmend Schwierigkeiten haben, auf die Dynamik und das Tempo digitaler Radikalisierung zu reagieren. Außerdem zeigt sich, dass Plattformen wie Telegram oder weniger bekannte Foren als Katalysator für extremistische Ideen dienen, da Moderation oft fehlt oder bewusst unterlaufen wird. Das wirft die Frage auf, wie viel Freiheit das Netz verträgt, wenn daraus echte Gefahren entstehen.