Wenn Heilpflanzen auf Algorithmen treffen: Schwabe steigt bei NeuroNation-Entwickler Synaptikon ein

Die traditionsreiche Schwabe-Gruppe holt sich mit einer Beteiligung an der Synaptikon GmbH, den Machern von NeuroNation, digitalen Innovationsschub ins Haus – und rückt so noch näher an die Zukunft der kognitiven Gesundheit.

heute 14:22 Uhr | 1 mal gelesen

Irgendwie passt es, dass ein Unternehmen, das seit 160 Jahren Pflanzenwissenschaft betreibt, nun digitale Wege einschlägt, um das Gehirn zu stärken: Die Schwabe-Gruppe steigt strategisch bei der Berliner Synaptikon GmbH ein, bekannt für die Millionen-Nutzer-App NeuroNation und ihre medizinische Variante NeuroNation MED. CEO Olaf Schwabe beschreibt die Kooperation als menschlich wie strategisch passend – es klingt fast, als hätte die Pharma-IT-Ehe auf sich warten lassen. Das Schwabe-Produkt Tebonin®, basiert auf Ginkgo-Extrakten, deren Wirksamkeit laut zahlreichen Studien bei kognitiven Einbußen und Demenz nachgewiesen ist. Besonders hervorheben möchte man die lückenlose Forschung und die deutsche Qualität – kann man irgendwo auch verstehen, dieser leicht stolze Unterton. Was aber tatsächlich spannend ist: Mit NeuroNation MED gibt es jetzt eine App „auf Rezept“, die vor allem Personen mit leichten kognitiven Störungen (ICD-10 F06.7) anspricht – und bereits bei einem Viertel der Betroffenen genutzt wird. Synaptikon sieht sich mit dieser Lösung als Wegbereiter für eine digitale Therapierevolution – getreu dem Motto „digital vor ambulant vor stationär“. Mit der Power der Schwabe-Phytotherapie und digitalem Know-how wollen beide Partner Menschen helfen, möglichst lange geistig fit zu bleiben. Übrigens, NeuroNation MED ist nicht irgendeine Trainings-App, sondern eine dauerhafte Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA), ärztlich verordnungsfähig und entwickelt in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen wie der Charité in Berlin. Zielbild: Mehr als nur Symptombehandlung – langfristig will man mit digitalen Lösungen, Medikamenten, Bewegung und Ernährung an die Prävention und Therapie von Erkrankungen wie MCI (Mild Cognitive Impairment) ran. Wer die Zahlen kennt – weltweit sind es rund 320 Millionen Menschen mit MCI, meistens unerkannt –, ahnt, wie dringend dieses gemeinsame Vorhaben ist. Im Zentrum steht eine bemerkenswerte Synergie: Schwabes solide Laborbasis trifft auf Synaptikons App-Agilität. Was so nüchtern als Innovation klingt, lebt bei beiden Partnern offenbar von Lust auf echte Zusammenarbeit und Lernbereitschaft – ein bisschen wie „Brainstorming zwischen Pflanzen und Pixeln“. Fast vergisst man bei diesem Digitalisierungs-Elan, dass hinter jeder Vision auch Papierschlachten, Deals, Anwälte und Berater stehen – hier waren Pava Partners, Carlsquare, Dentons und Osborne Clarke an Bord. Und eine Kleinigkeit, die man nicht unterschlagen sollte: Die Schwabe-Gruppe übernimmt auch Anteile vom bisherigen Private-Equity-Investor IMPACT Partners. Am Ende lesen sich die Details zur Arznei-Versorgung und Rezeptierung dann so knacktrocken wie immer, aber wer weiß, vielleicht holt Synaptikon mit der Schwabe-Group bald noch ganz andere Therapieformen auf die Handybildschirme.

Schwabe setzt mit der Beteiligung an Synaptikon einen Meilenstein im Zusammenspiel traditioneller Phytotherapie und digitaler Gesundheitsanwendungen. Zusammen möchten sie Versorgungslücken bei leichten kognitiven Störungen schließen – ein Feld mit enormem Bedarf, denn mehr als 300 Millionen Menschen sind weltweit betroffen, davon 95 Prozent ohne Diagnose. Studien und klinische Daten weisen auf echte Synergie-Effekte bei Kombination von klassischen Mitteln wie Ginkgo und modernen, appbasierten Trainings hin. In den letzten 48 Stunden gab es unter anderem auf www.t3n.de einen Bericht über das zunehmende Interesse von Pharmaunternehmen an digitalen Plattformen, insbesondere im Bereich kognitiver Gesundheit, getrieben durch demographischen Wandel und Regulatorik. Die FAZ hat über die Bedeutung personalisierter digitaler Gesundheitsangebote für ältere Menschen geschrieben und dabei Daten aus aktuellen DAK-Analysen einbezogen. Die ZEIT thematisierte, wie Startups und traditionsreiche Unternehmen gemeinsam Innovationen im Gesundheitssystem vorantreiben – oft mit einem Fokus auf Prävention und digitalen Rezeptangeboten. Das Thema wird damit von verschiedenen Seiten als zukunftsprägend wahrgenommen.

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