Anlässlich des Europäischen Protesttages für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, der jedes Jahr um den 8. Mai stattfindet, rückte in St. Pölten erneut das Thema Inklusion ins Zentrum des Geschehens.
Unter dem Motto „Diversity Bites (Back)“ setzte das Organisationsteam auf vielfältige, leicht zugängliche Programmpunkte: kompakte Inputs, Mitmachaktionen, künstlerische Beiträge. Der Titel spielte auf die Komplexität der Debatte rund um Vielfalt, Integration und Chancengleichheit an – plus auf die teils heftigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen dazu.
Julia Höllmüller vom Büro für Diversität der Stadt betonte, wie wichtig es sei, beim Thema Inklusion gute Beispiele und mutige Ideen raus aus dem Schattendasein zu holen, damit andere davon profitieren können. „Gerade weil über Diversität und Teilhabe häufig gestritten wird, ist Dialog wichtiger denn je. Es geht um Grundsatzfragen – wofür steht eine offene Gesellschaft überhaupt?“ so Billie Heinz von der FH St. Pölten.
Auch Michael Wininger, Rektor der Bertha von Suttner Privatuni, dankte allen Partnern und betonte: „Ohne Zeit, Ressourcen und den Willen zu Veränderung bleibt Inklusion ein Lippenbekenntnis. Es braucht Zusammenarbeit – und die Bereitschaft, bestehende Strukturen immer wieder kritisch zu sehen.“
Mehr als 20 Workshops und Vorträge griffen Themen aus verschiedensten Bereichen auf: Neurodiversität, Gehörlosigkeit, psychische Belastungen, Flucht, Queerness, Anti-Diskriminierung und gesellschaftliche Bewegungen.
Studierende aus dem Fachbereich Soziale Arbeit waren maßgeblich an der Gestaltung der Mitmach-Stationen beteiligt. Das Angebot reichte von Diskussionsräumen, Plakatschauen, Quizzen bis hin zu kleinen Workshops – zu Feminismus, Altersbildern, sozialer Herkunft ebenso wie zu Diskriminierung und Veränderungen, die Inklusion überhaupt erst möglich machen.
Als besondere Attraktion galt der Workshop „insitu ani.motion“. Hier wurde Kommunikation jenseits der Sprache erprobt: Per Stop-Motion-Technik gestalteten die Teilnehmenden gemeinsam einen Animationsfilm, direkt vor Ort projiziert und erlebbar gemacht. Im kreativen Austausch fanden sich neue Perspektiven auf das Zusammenleben.
Unterstützt wurde das Event von der Arbeiterkammer Niederösterreich, der Sparkasse NÖ und weiteren Partnern.
Weitere Informationen zur Inklusionswoche sind hier zu finden: aktionswoche.ustp.at
Die diesjährige Aktionswoche in St. Pölten drehte sich rund um Inklusion und hat einmal mehr gezeigt, wie viel man gemeinsam bewegen kann, wenn Hochschulen, Stadt und Initiativen an einem Strang ziehen. Es wurde deutlich: Echte Teilhabe gelingt nicht von alleine, sondern braucht beständiges Engagement, kreative Ideen und den Mut, unbequeme gesellschaftliche Fragen offen anzusprechen. Ein Fokus lag dieses Mal besonders auf inklusiven Kommunikationswegen – wie etwa dem innovativen Stop-Motion-Projekt – und der Einbeziehung von Studierenden, die mit ihren Perspektiven Impulse für die Zukunft der Teilhabe setzten. Aktuelle Ergänzungen zum Thema aus dem Netz: Laut "Die Zeit" forderte kürzlich eine überregionale Tagung größere politische Anstrengungen bei der inklusiven Bildung und warnte vor Rückschritten durch Sparmaßnahmen. "FAZ.NET" berichtete über einen Vorstoß in Berlin, bei dem Initiativen mehr barrierefreien Wohnraum und Förderprogramme für Inklusion verlangten. Und "taz.de" beleuchtete am Beispiel eines Berliner Kollektivs, wie Menschen mit Lernschwierigkeiten künstlerische Projekte selbst bestimmen und aktiv gestalten – ein Gegenmodell zu traditionellen, eher hierarchischen Strukturen. Diese Entwicklungen unterstreichen das breite Spektrum an kreativen, politischen und praktischen Ansätzen, das derzeit in Deutschland und Österreich für mehr Inklusion ausprobiert wird.