Eigentlich klingt es zunächst nach einer charmanten Angebotsoffensive: Eine erweiterte Bahnreise-Flatrate für die ganze Familie, bis zu fünf Personen, quer durchs Land – das alles zum Festpreis, inklusive Platzreservierung. Soweit, so überzeugend. Aber hinter der glänzenden Schale steckt, zumindest nach Ansicht von Lukas Iffländer, Chef des Fahrgastverbandes Pro Bahn, ein handfestes Problem: Die Aktion startet viel zu spät und endet zudem knapp, fast schon wie ein aus dem Hut gezaubertes Sonderangebot für Schnellentschlossene. Familien, das weiß man, ticken nicht nach Last-Minute-Logik – die Pläne für Sommerreisen sind oft bereits im Herbst oder Winter festgezurrt, Ferienwohnungen gebucht, vielleicht sogar schon alles bezahlt. Dass das Ticket erst ab Mitte Juni zu haben ist und nur wenige Monate gilt, sei ein klarer Griff ins Klo für viele: „Viele Familien bleiben außen vor und könnten sich nun zurecht abgezockt fühlen“, meint Iffländer geradeheraus.
Preislich mag das Ticket bei langen Fahrten attraktiv sein, doch für etliche Familien passt das geografisch überhaupt nicht ins Konzept. Wer etwa von München oder Stuttgart ans Mittelmeer gondelt, schaut buchstäblich in die Röhre. Iffländer geht hier noch einen Schritt weiter und fordert ein europäisches Pendant, das auch umliegende Urlaubsländer wie Italien oder Frankreich abdeckt – warum nicht, schließlich spräche das für einen echten Klimaturbo beim Bahnreisen mit Kind und Kegel.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer lässt sich hingegen bei der Sitzplatzreservierung erkennen: Die war lange ein Streitpunkt – jetzt ist sie Teil des Pakets. Eine stille Kapitulation der Bahn vor dem lärmenden Elternbedarf nach festen Plätzen? „Wir bleiben auf jeden Fall dran, gerade gegenüber DB und Bundesverkehrsministerium“, so Iffländer. Ob das Familienticket am Ende tatsächlich Fahrt in die richtige Richtung aufnimmt, bleibt aus Sicht Vieler zumindest fraglich.
Die Deutsche Bahn hat jüngst ein Familien-Sommerangebot vorgestellt, das zum Pauschalpreis von knapp 100 Euro Hin- und Rückfahrten für bis zu fünf Familienmitglieder quer durch Deutschland inklusive Sitzplatzreservierung ermöglicht. Der Fahrgastverband Pro Bahn spart allerdings nicht mit Kritik: Besonders das späte Buchungsfenster (erst ab Mitte Juni) und die geographische Begrenzung auf Deutschland lassen viele Familien außen vor – gerade jene, die früh planen oder ins Ausland reisen. Darüber hinaus zeigt ein Blick in aktuelle Berichterstattung, dass auch Klimaziele und europäische Vernetzung im Mittelpunkt der Diskussion stehen:
- Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung geht darauf ein, wie solche zeitlich begrenzten Aktionsangebote häufig an der Wirklichkeit der Ferien- und Urlaubsplanung vorbeigehen und eine bessere Abstimmung auf europäische Nachbarländer notwendiger wäre.
- Die Frankfurter Allgemeine Zeitung betont in ihrer Berichterstattung die Rolle der Deutschen Bahn als zentrale Säule nachhaltiger Mobilität, nennt das neue Familienticket aber „halbherzig“ und kritisiert neben der Kurzfristigkeit auch organisatorische Anforderungen wie Buchungshürden für Familien.
- Die taz berichtet über ein wachsendes Misstrauen der Kundschaft angesichts wiederholter Schnellschuss-Aktionen, die oft als Mediencoup wirken, aber langfristig keine strukturellen Verbesserungen für Vielreisende und Familien bringen.
(Alle Quellen siehe unten in der Erweiterung)