„So schlecht stand Deutschland wirtschaftlich seit dem Zweiten Weltkrieg nicht da“, sagte Nicola Leibinger-Kammüller dem 'Handelsblatt'. Ihrer Einschätzung nach war selbst die Corona-Krise weniger bedrohlich als die aktuelle Lage – eine Aussage, die hängen bleibt. Auf einer unternehmensinternen Messe sei ihr massiv aufgefallen, wie viele Unternehmerinnen und Unternehmer inzwischen frustriert und am Limit seien – die Bürokratie raube insbesondere Mittelständlern die Luft zum Atmen. Leibinger-Kammüller warnt scharf: Wenn man nicht bald gegensteuert, zerbröckelt die industrielle Basis Deutschlands. Sie forderte die Regierung auf, endlich mit Ernst an die tiefgreifenden strukturellen Probleme heranzugehen. Ihrer Meinung nach trägt die Bundesregierung nicht nur Verantwortung, sondern die Pflicht, zügig eine solide Wirtschaftsstrategie zu entwerfen.
Ein Vorwurf ging explizit an die Koalition, verbunden mit der Forderung an den (angenommenen) Kanzler Friedrich Merz zügig Reformen durchzusetzen – Rentenreformen, Sparmaßnahmen und ein Ende symbolischer Maßnahmen wie dem Tankrabatt. Leibinger-Kammüllers Haltung zur Reichensteuer: Sie würde durchaus mehr zahlen, sofern dieses Geld dann in Bildung und Innovation fließt, anstatt im Sande von Gießkannenpolitik zu verlaufen. Andererseits: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche verteidigt sie ausdrücklich – sie bescheinigt ihr Mut und Tatkraft. Nach Jahren des Entbehrens und Arbeitsplatzabbaus ist bei Trumpf erstmals wieder ein Bonus in Aussicht. Das neue Geschäftsjahr stimme sie vorsichtig optimistisch, insbesondere, weil gerade das Geschäft mit Lasertechnologie für die Datenbranche wieder ordentlich laufe.
Trumpf-Chefin Leibinger-Kammüller sieht Deutschlands Wirtschaft in der schwersten Krise seit Jahrzehnten. In einem Gespräch mit dem 'Handelsblatt' äußerte sie Sorgen über lähmende Bürokratie, den Verfall der industriellen Substanz und zögerliche Reformen. Während sie die Regierung zu mutigen Schritten auffordert, betont sie zugleich einzelne Fortschritte etwa beim Halbleitergeschäft ihres eigenen Unternehmens. Interessanterweise lässt sie durchblicken, dass ihre Bereitschaft zu höheren Steuern an eine Zweckbindung für Bildung geknüpft ist – ein Aspekt, der in wirtschaftspolitischen Debatten bislang zu selten wirklich konsequent diskutiert wird. Aus aktuellen Berichten anderer Medien (Juni 2024) ergibt sich, dass ähnliche Sorgen von vielen Vertretern der deutschen Industrie geäußert werden. Die Debatte ist zudem eingebettet in die Diskussionen um einen befürchteten „Industriestillstand“, den schwindenden Standortvorteil Deutschlands und die wachsenden Herausforderungen durch Digitalisierung, Energiepreise und internationale Konkurrenz.
In den letzten 48 Stunden berichten zahlreiche überregionale Medien über eine allgemeine Verunsicherung und einen Aufruf von Unternehmerverbänden an die Politik, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Es ist bezeichnend, dass viele Beobachter aktuell einen "Reformstau" bemängeln und warnen, Deutschlands Wohlstand könnte nachhaltig Schaden nehmen, sollte die Politik nicht bald entschieden gegensteuern.