Wie aus Neugier Medizin wird – Hinter den Türen der Antikörper-Forschung bei Sanofi

Frankfurt/Main – Eigentlich beginnt Forschung meistens mit einer Prise Skepsis und Begeisterung, irgendwo zwischen Laborgeräten und Kaffeeduft. Sevim Özgür Brüderle und ihre Crew suchen nach neuartigen Antikörpermolekülen. Sie legen damit, fernab vom Rampenlicht, das Fundament für die Medikamente von morgen – immer getrieben von Forschergeist und Gemeinschaftsgefühl.

heute 13:05 Uhr | 5 mal gelesen

Sevim Özgür Brüderles Einstieg ins Forscherleben war fast klassisch – erst einmal gründlich eintauchen. Sie sagt selbst, dass die genaue Kenntnis eines Problems die halbe Miete sei, um Lösungswege zu finden. Aus dieser Haltung heraus promovierte sie in der Grundlagenwissenschaft und wechselte dann, fast beiläufig, aus der Theorie ins Offene – hin zur Anwendung, zur Arbeit bei Sanofi. Dort bewegt sie sich zwar nicht mehr im Elfenbeinturm klassischer Grundlagenforschung, steht aber dennoch am Startpunkt der langen Reise neuer Wirkstoffe. Sie tüftelt mit Kolleginnen und Kollegen an den ersten Entwürfen von Molekülen: große, vielschichtige Gebilde – vor allem Antikörper oder sogenannte Nanobodies. Diese „maßgeschneiderten“ Moleküle eignen sich wegen ihrer Größe und Vielfalt besonders für komplexe Krankheiten. Im Labor waren Antikörper einst nur Hilfsmittel, heute baut Sevim Özgür Brüderle mit ihrem Team aus diesen Proteinen Kunstwerke, z. B. Hybridmoleküle aus Antikörpern und Nanobodies, die einmal als neue Medikamente geprüft werden könnten – darunter gegen komplexe Immunerkrankungen. Solche Biologika – also Wirkstoffe aus Eiweißen – docken zielgenau an Krankheitsherde im Körper an. Mit modernen Hightech-Methoden konstruiert Sanofi bi- oder trispezifische Antikörper: Einzelne Moleküle, die mehrere Zielstrukturen gleichzeitig erkennen. Das klingt fast wie ein Schweizer Taschenmesser, aber winzig klein. Nanobodies sind dabei nicht einfach Abklatsch, sondern noch flexibler: Sie sind so winzig, dass man sie (überspitzt formuliert) wie Perlen auffädeln und zusammenbauen kann. Genau diese Modularität eröffnet den Forschenden neue Spielräume, gerade in Krankheitsbildern, deren Ursachen so verschachtelt sind wie ein Rubik’s Cube im Nebel. Die Arbeit von Brüderle und ihrem Team ist selten ein Alleingang. Meist zirkulieren Ideen, Protokolle und Daten durch internationale Slack-Chats und Videocalls, zum Beispiel mit Kollegen aus Gent. Projektstrategien und Versuchspläne werden ständig angepasst, manchmal wächst aus einer zufälligen Beobachtung eine ganze Projektidee. Und wie das so ist: Häufig bleibt die Mühe unsichtbar, aber sie zählt. Für die Forscherin ist es Motivation, schon bei den ersten Schritten dabei zu sein, wenn ein neues Medikament entsteht. Sie sagt: „Ich begleite die Geschichte eines Medikaments von der Idee bis zur Stoff-Kandidatur.“ Es sind diese kleinen Fortschritte aus vielen Händen, die irgendwann spürbare Veränderung ins Leben von Patientinnen und Patienten bringen sollen.

Die Suche nach neuen Antikörpern beginnt oft fernab öffentlicher Aufmerksamkeit, aber mit großer Sorgfalt und Neugier. Unter Leitung von Sevim Özgür Brüderle arbeitet ein internationales Team bei Sanofi an einem flexiblen System aus Antikörpern und Nanobodies, die als Baukasten für komplexe Krankheitsbilder dienen sollen. Dabei nimmt die Forschung nicht nur klassische Wege, sondern setzt zunehmend auf bi- und multispezifische Moleküle, die mehrere Krankheitsziele gleichzeitig ansteuern können – was die Therapiechancen deutlich erweitert und beispielhaft für den Wandel hin zu individuellen, biologisch basierten Arzneimitteln steht. Aktuelle Recherchen im Netz zeigen: Auch andere Pharmaunternehmen investieren verstärkt in Antikörperforschung, oft fokussiert auf Krankheiten wie Krebs oder Autoimmunstörungen. Laut der FAZ (05.06.2024) gewinnen flexible, modulare Biologika rasant an Bedeutung, da sie für Patienten oft gezieltere, nebenwirkungsärmere Behandlungen ermöglichen. Zudem arbeitet die europäische Arzneimittelindustrie laut einem Bericht der Süddeutschen (05.06.2024) an schnelleren Entwicklungswegen, um Innovationen früher in klinische Studien zu bringen und damit den Zugang für Patienten zu verbessern. Schließlich beschäftigt sich laut t3n.de (06.06.2024) die Branche aktuell stark mit dem Einsatz von KI und automatisierten Datenauswertungen, um die Trefferquote bei der Suche nach neuen Wirkstoffen zu erhöhen.

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