Wirtschaftsberater Südekum sieht riesiges Wachstumspotenzial für Deutschland

Der Ökonom Jens Südekum, Berater von Finanzminister Lars Klingbeil, hält aufgrund der aktuell vorgestellten Reformagenda eine Verdopplung des wirtschaftlichen Wachstumspotenzials für durchaus erreichbar.

heute 05:03 Uhr | 2 mal gelesen

Eine Verdopplung des Wachstumspotenzials? Klingt fast übertrieben, aber Jens Südekum ist überzeugt, dass genau das für Deutschland realistisch ist. Im Gespräch mit ntv betonte der langjährige Wirtschaftsberater und Forscher, dass die neue Reformagenda – die er selbst mitentwickelt hat – den lahmenden Motor der deutschen Wirtschaft endlich wieder anwerfen könnte. Die Gründe dafür liegen für ihn auf der Hand: Die Bevölkerung altert, immer weniger Menschen arbeiten, und das bremst die Konjunktur brutal aus. Jetzt aber soll das Blatt sich wenden: Mehr Menschen sollen in Jobs kommen, möglichst lange im Arbeitsleben bleiben. Außerdem will die Regierung laut Südekum massiv in neue Technologien und Kapitalgüter investieren – was letztlich die Produktivität anheben soll. All das soll sicherstellen, dass auch Sondervermögen und Staatsfinanzen auf stabileren Beinen stehen. Im Vergleich zu früheren Koalitionen prescht Klingbeils Agenda deutlich weiter voran, meinen Experten. Während vorher oft nicht mal ein Prozent Wachstum drin war, gilt das nun als konservative Prognose.

Südekums Einschätzung entspricht einer klaren Botschaft: Deutschland steckt wirtschaftlich fest, aber mit gezielten Struktur-Reformen könnte sich das Potenzialwachstum mindestens verdoppeln. Kernelemente sind dabei die stärkere Einbindung zusätzlicher Arbeitskräfte, ein längerer Verbleib der Menschen im Berufsleben sowie größere Investitionen in Digitalisierung, grüne Technologien und den heimischen Kapitalstock. Übrigens: Ganz allein auf Produktivität zu setzen, reicht laut einiger Stimmen wohl nicht aus – auch eine gezielte Zuwanderungsstrategie und flexible Arbeitsmodelle werden aktuell immer wieder als essentielle Ergänzung diskutiert. Die öffentliche Debatte zeigt zudem, dass Unsicherheiten bezüglich der konkreten Umsetzung und vor allem der gesellschaftlichen Akzeptanz bestehen. Auch die Bedingung, dass Sondervermögen und Staatsschulden durch das neue Wachstum tragbar bleiben, könnte sich in der Praxis als herausfordernd erweisen. In den letzten 48 Stunden berichten mehrere Medien ähnlich: T-Online analysiert den Reformkurs der Bundesregierung kritisch und stellt heraus, dass Experten zwar Chancen sehen, aber erhebliche Zweifel an der Geschwindigkeit und Breite der Umsetzung äußern (Quelle: [T-Online](https://www.t-online.de)). Die „SZ“ spricht von einer „Reformoffensive mit Hindernissen“ und hebt besonders die soziale Dimension und den wachsenden Druck auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hervor (Quelle: [Sueddeutsche Zeitung](https://www.sueddeutsche.de)). Laut der „Zeit“ wird der Fokus auf Digitalisierung und neue Technologien gelobt, aber auch vor übersteigerten Hoffnungen gewarnt, die am Ende enttäuscht werden könnten, falls politische und wirtschaftliche Widerstände zu groß bleiben (Quelle: [Zeit](https://www.zeit.de)).

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