Mit einem gewissen Erstaunen äußerte sich Wolfgang Ischinger, Ex-Botschafter in Washington und prominenter Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, jüngst kritisch zur US-Regierung. Er sagte im Gespräch mit dem 'Stern', er sei „ernüchtert“, dass aus den USA weiterhin kein belastbarer Plan in Bezug auf das eigentliche Ziel der Iran-Intervention zu hören sei. Besonders das Fehlen einer abgestimmten Strategie mit den europäischen Partnern störe ihn: 'Das größte Risiko entsteht, wenn man sich kopflos und ohne echte Abstimmung auf so etwas einlässt.'
Zu Kriegsbeginn sprach Präsident Trump noch explizit von „Regimewechsel“, erinnerte sich Ischinger. Doch inzwischen hätten in Washington die Argumente mehrfach gewechselt – ein bisschen, als würde man, so Ischingers zugespitzte Formulierung, das Hemd wechseln. 'Von Regimewechsel ist kaum noch die Rede – das dringt nur noch ganz am Rande durch.'
Ischingers Kritik entspringt auch seiner eigenen Erfahrung: Während seiner Zeit als deutscher Botschafter in den USA erlebte er bereits, wie die Bush-Regierung von gemeinsamen Afghanistan-Beschlüssen plötzlich immer mehr auf das Thema Irak schwenkte. Für Deutschland und Europa sieht er jetzt erneut Gefahren: Statt militärischer Eskalation im Iran müsse die Unterstützung für die Ukraine oberste Priorität haben, warnte Ischinger – jede weitere Front schwäche die gesamte Unterstützung. Ein etwas düsterer Déjà-vu-Moment.
Wolfgang Ischinger, einer der erfahrensten deutschen Diplomaten, bringt deutliche Bedenken gegen die aktuelle Iran-Politik der USA vor. Ihm fehlt sowohl eine klare Zielsetzung, als auch eine strategische Einbindung der europäischen Verbündeten, was er bereits in der Irak-Kriegsphase als Fehler erlebt hat. Dazu warnen diverse Stimmen aktuell vor einer Überforderung westlicher Kapazitäten: Die Ressourcen reichen womöglich schon jetzt kaum mehr zur ausreichenden Unterstützung der Ukraine, während die EU-Staaten politische und wirtschaftliche Folgen einer Iran-Krise fürchten. Auch Medien wie die SZ und Zeit weisen darauf hin, dass das Fehlen eines stringenten US-Kurses die westliche Einheit zu sprengen droht. Neue Entwicklungen zeigen zudem, dass die EU verstärkt ihre diplomatischen Kanäle nutzt, um eine Eskalation zu verhindern und Brücken zwischen den Konfliktparteien zu schlagen.