Droht der Bahn das Personal davon? – Eine Mitarbeiter-Umfrage blickt in den Abgrund

Die Stimmung unter Deutschlands Bahn-Personal kippt: Wachsende Aggressivität im Arbeitsalltag lässt viele ans Aufgeben denken. Quasi eine Alarmglocke, die schon länger schrillt, wird jetzt noch lauter.

06.03.26 19:05 Uhr | 5 mal gelesen

Manchmal, wenn ich in einem halb leeren Zug sitze und der Schaffner winkt im Vorbeigehen müde, frage ich mich: Wie lange halten die das eigentlich noch aus? Laut einer aktuellen Umfrage der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) denken drei von zehn Bahnmitarbeitern darüber nach, den Job hinzuschmeißen. Der Grund? Anders als man es früher vielleicht dachte, ist es nicht unbedingt der Stress mit Fahrplänen, sondern die permanente Bedrohung: Aggressionen und offene Gewalt sind im Dienstalltag zur Routine geworden. Zwei Drittel der Befragten berichten von wachsendem Unsicherheitsgefühl. Die Hälfte hat sogar schon körperliche Übergriffe selbst erlebt. Beschimpfungen, Beleidigungen, Drohungen – 85 Prozent (!) der Kolleginnen und Kollegen im direkten Kundenkontakt sind davon betroffen. Echt bitter.

Kristian Loroch, der stellvertretende Vorsitzende der EVG, schlägt ernste Töne an: Die Gewaltwelle gefährde das ganze System. Solch ein Schwund an Personal wäre kaum aufzufangen. Es steht also ziemlich viel auf dem Spiel. Sollte sich nichts tun, könnten die Folgen krasser sein, als Bahnstreiks oder kaputte Gegensprechanlagen: einfach mal Züge und Busse, die gar nicht mehr fahren, weil niemand da ist.

Die Statistik erzählt über Jahre eine unerbittliche Geschichte: Übergriffe auf das Bahn-Personal haben sich binnen eines knappen Jahrzehnts verdoppelt! Und spätestens der schockierende Fall des ermordeten Schaffners Serkan C. sitzt vielen noch im Nacken. Was fordern die Mitarbeiter? Klare Sache: Mehr Personen im Zug, mehr Sicherheit, mehr Polizei bei riskanten Fahrten. Besonders Busfahrer fordern Schutz wie Notrufsysteme oder Kameras—Sie fühlen sich regelrecht ausgeliefert. Der Ton ist alarmiert, die Probleme sind bekannt, der Wandel bleibt schleppend. Irgendwie zieht sich die Gesellschaft immer wieder darum herum, nachhaltig eine Lösung zu schaffen.

Die steigende Gewalt gegen Bahnmitarbeitende ist kein isoliertes Problem, sondern spiegelt eine besorgniserregende gesellschaftliche Entwicklung wider. Jenseits von Statistiken zeigt sich, dass die emotionale und psychische Belastung stetig zugenommen hat. Aktuelle Medienberichte betonen, dass vor allem der Personalmangel selbst wieder zur Sicherheitslücke wird, denn je weniger Kolleginnen und Kollegen im Einsatz sind, desto riskanter fühlt sich jede Fahrt an. Zusätzlich setzt die Bahn laut neuesten Meldungen verstärkt auf Präventionsprogramme und Sensibilisierung, etwa Workshops im Umgang mit Konfliktsituationen – bislang bleibt die Wirksamkeit aber offen. Besonderes Augenmerk liegt nun auch auf neuen Kontrolltechnologien und der Forderung nach mehr Polizeipräsenz, wie sie zuletzt auf Bahnhöfen in Großstädten pilotiert wurden.

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