Wer schon mal mit Tauchermaske und Flossen im Urlaub ins blaue Meer abgestiegen ist, kennt das: Dem Kopf wird Aufmerksamkeit geschenkt, die Ohren bleiben meistens außen vor. Dabei sind sie letztlich die heimlichen Helden oder, im schlimmeren Fall, das schwächste Glied bei Abenteuern unter Wasser.
Abtauchen heißt auch Belastung für das Gehör. Nicht allein wegen des Drucks, der sich spätestens ab ein paar Metern Tiefe bemerkbar macht, sondern auch wegen anderer Faktoren, die oft untergehen: Temperaturunterschiede, Strömungen und die allgegenwärtige Möglichkeit, dass Wasser – mit all seinen Gästen – ins Ohr vordringt.
Genau dieses Wasser, besonders wenn es kalt ist, kann das Gleichgewichtsorgan in Alarmbereitschaft versetzen. Manche Taucher berichten von plötzlichem Schwindel oder sogar, bildlich gesprochen, vom Gefühl, der Boden würde unter Wasser wanken. Nicht ungefährlich, wenn man dem Ozean vertraut – und plötzlich aus dem Tritt gerät. Und je größer der Wechsel zwischen warmen und kalten Wasserschichten, desto überraschender kommt der Effekt.
Das Auftauchen hat’s ebenfalls in sich: Warmes, nicht selten bakteriell kontaminiertes Wasser wartet nur darauf, in den (von der Kälte gereizten) Gehörgang zu strömen. Hier kann es prompt zu typischen Problemen kommen: Beschwerden wie Jucken, Schmerzen oder gar eine infektiöse Gehörgangsentzündung (vielen besser als Schwimmerohr oder Badeotitis bekannt).
Wie kann man sich schützen? Prof. Dr. Michael Schröckenfuchs, Spezialist für Tauchmedizin, betont: Mehrere Belastungen wirken gleichzeitig auf das Ohr – und eben nicht nur der bekanntere Druck. Gerade Kälte und undurchsichtiges Wasser sind ernstzunehmende Kontrahenten. Kältereize irritieren das Gleichgewichtsorgan und können empfindliche Personen besonders aus der Bahn werfen.
Eine technische Lösung kam in den letzten Jahren auf: Spezielle Tauch-Ohrstöpsel wie die von Sanohra pro dive. Anders als klassisch dichte Stöpsel lassen sie den Körperdruck ausgleichen, halten aber einen Großteil des Wassers außen vor und schützen somit auch vor Kälte und Verschmutzung. Da fragt man sich ehrlich, warum dieses Detail nicht längst Standard ist.
Trotz allem: Technik ist kein Allheilmittel. Druckausgleich regelmäßig machen, nie mit Schmerzen abtauchen und bei Erkältungen oder Ohrenproblemen lieber an der Oberfläche bleiben – das sind ausnahmsweise keine optionalen Hinweise, sondern essenziell. Nicht zu vergessen: Ohrstöpsel funktionieren nur dann wie gedacht, wenn sie korrekt getragen und nicht blockiert werden.
Gerade Tauchanfänger unterschätzen die Belastung fürs Ohr. Schnorchler, Kinder und ungeübte Wasserratten sollten daher besonders aufmerksam auf ihr Gehör achten und nicht auf die Stimme aus dem Gehörgang verzichten – selbst wenn die Lust auf Meer so groß ist.
Am Ende bleibt: Das Ohr ist beim Tauchen mehr als nur Durchgangsstation für Wassergeräusche. Es verdient Schutz, Aufmerksamkeit und gelegentlich ein klein wenig Nachsicht – mit Technik und Köpfchen statt nur mit Abenteuerlust.
Beim Tauchen und Schnorcheln besteht eine oft unterschätzte Gefahr für die Ohren: Neben dem Druck wirken vor allem Temperaturunterschiede und Keimbelastung auf das empfindliche Gehör ein. Moderne Tauch-Ohrstöpsel ermöglichen Druckausgleich, halten aber gleichzeitig Wasser fern und beugen so Beschwerden oder Infektionen vor. Ergänzend empfiehlt die aktuelle Fachliteratur, sich vorab über ärztliche Tauglichkeit, lokale Gewässerverunterschiede sowie die richtige Anwendung von Ohrschutz zu informieren. Aktuelle Medienberichte beleuchten, dass mit dem vermehrten Sommertourismus in Europa auch die Zahl der Badeotitis-Fälle ansteigt. Experten wie die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde raten, Wasser im Ohr nach dem Schwimmen vorsichtig herauslaufen zu lassen, Ohrstäbchen zu meiden und Warnsignale wie Juckreiz oder Schmerzen keinesfalls zu ignorieren. Weiterhin gibt es Hinweise darauf, dass klimatische Veränderungen das Vorkommen bestimmter Keime in Badegewässern beeinflussen, was den richtigen Schutz – sowohl bei Freizeit-, als auch Leistungstauchern – immer wichtiger macht.