Sich selbst wahrzunehmen, kann ein Abenteuer sein. Gerade wenn es um so ein intimes Thema wie die eigene Vulva geht. Laut der JOYclub-Umfrage schätzen fast sieben von zehn Frauen ihr Genital als (sehr) schön ein. Aber auch: Mehr als jede Siebte beurteilt das eigene Aussehen dort als (sehr) unschön – ein fühlbares Spannungsfeld. Was auffällt: Wer regelmäßig hinschaut, Gedanken und Berührungen zulässt, der fühlt sich deutlich wohler im eigenen Körper. Kein Wunder – was wir kennen, finden wir oft weniger fremd. Lotte etwa hat irgendwann beschlossen, Zuhause öfter nackt zu sein, und dabei Stück für Stück Scham abgelegt. Und Gül wiederum verliebte sich neu in die eigene Vulva, als sie nicht nur die eigene, sondern auch andere anschauten.
Das Problem? Vieles an Scham und Unsicherheit wird durch mediale Bilder ausgelöst: Normierte Schönheitsideale, retuschierte Darstellungen. Fast jede dritte Frau hat da schon einmal ernsthaft an eine kosmetische OP gedacht! Wer sich dazu durchgerungen hat, merkt oft erst spät – wie Julia im Interview – es braucht mehr als ein Skalpell, um zufrieden zu werden. Eigentlich sind es Situationen beim Sex, die für Unsicherheit sorgen – zum Beispiel mit dem eigenen Geruch. Wie unangenehm dieser Gedankenstrudel werden kann, beweist die Zahl: Fast 70% der befragten Frauen haben sich deshalb schon einmal zurückgehalten. Dabei, so Expertin Dr. Carla Pohlink, ist ein „leicht säuerlicher Geruch – so ähnlich wie bei Naturjoghurt –“ ganz normal. Sexologin Judith Langer empfiehlt, offen an das Thema ran zu gehen – anschauen, kennenlernen, sich Stück für Stück wohler fühlen.
Modelle für mehr Selbstakzeptanz gibt es inzwischen: In Formaten wie dem Vagina-Talk oder Workshops auf JOYclub tauschen Frauen ihre Sichtweisen aus. Und stellen fest – niemand ist ganz allein mit ihren Sorgen. Übrigens: Jeder Weg ist hier ganz individuell, und niemand muss oder sollte sich irgendetwas aufzwingen. Es bleibt ein Prozess – mit gelegentlichen Umwegen.
Mehr als zwei Drittel der Frauen in der JOYclub-Umfrage fühlen sich vom Geruch ihrer eigenen Vulva verunsichert, was sich spürbar auf ihr Selbstbewusstsein und ihre Sexualität auswirkt. Ein bewusster, achtsamer Umgang mit dem eigenen Körper, frei von medialen Klischees, hilft jedoch vielen dabei, neue Akzeptanz und sogar Zuneigung für die eigenen intimsten Seiten zu entwickeln. Das ist ein allmählicher Prozess: Weder kosmetische Eingriffe noch schnelle Ratgeber reichen, um tiefgreifende Unsicherheiten von heute auf morgen zu lösen – vielen Frauen hilft stattdessen der Austausch mit anderen und die bewusste Selbstwahrnehmung.
Recherchetiefe – Ergänzungen: Eine aktuelle Untersuchung der Universität Leipzig hebt hervor, wie stark das Körperbild von Frauen weiterhin extern beeinflusst wird, auch unter dem Eindruck immer vielfältigerer medialer Darstellungen. Sexualberaterinnen raten dazu, Intimpflege-Produkte bewusst zu wählen und nicht zu übertreiben, da „übertriebene Hygiene“ dem natürlichen Gleichgewicht schaden kann und Unsicherheit eher verstärkt. In mehreren Interviews mit Frauen aus verschiedenen Altersgruppen wird deutlich: Die Reise zu mehr Selbstliebe ist selten gradlinig – und der Druck durch mediale Dauerpräsenz kann unterschiedlich ausfallen, abhängig vom sozialen Umfeld. Der alltagstauglichste Tipp, den viele Expertinnen teilen: Statt nach einem Ideal zu suchen, lieber das Eigene mit ein wenig Neugier betrachten – und ab und zu Humor walten lassen.