Da ist zum Beispiel Iris Konopik in Hamburg. Seit 20 Jahren wohnt sie in einer geräumigen Wohnung und denkt eigentlich gar nicht an einen Wechsel – warum auch? Doch Altersvorsorge und steigende Kosten treiben sie um. Das Verrückte: Selbst wenn sie sich jetzt nach einer kleineren Bleibe umsieht, findet sie bislang nur Wohnungen, die sogar mehr kosten als die aktuelle. Man spricht da vom Lock-In-Effekt. Die Leute verharren an Ort und Stelle, weil der nächste Schritt finanziell nicht zu machen ist – ein ziemlich eigentümlicher Teufelskreis.
Mehr als 800 Menschen haben sich an der nicht repräsentativen Umfrage beteiligt. Ergibt ein ziemlich vielschichtiges Bild: Die Hälfte der Teilnehmenden schließt einen Umzug wegen der Preissteigerungen kategorisch aus. Trotzdem: Über 80 Prozent sagen, sie seien im Großen und Ganzen zufrieden mit ihrer Unterkunft. Klingt nach einem Paradoxon, ist aber irgendwie auch typisch deutsch.
Die ARD-Dokumentation "#besserwohnen – Wie können wir die Mietkrise stoppen?" zieht ein Fazit aus den gesammelten Einblicken und legt den Finger in die Wunde des Wohnungsmarkts. Wer will, kann sich das Ganze am 31. März um 22:50 Uhr im Ersten oder der ARD Mediathek anschauen.
Der Fragebogen, den die ARD zusammen mit dem Deutschen Mieterbund entwickelt hat, durchleuchtet dabei so ziemlich alles, was deutsche Mieter*innen bewegt: stressige Wohnungssuche, Ärger mit Verwaltungen, den täglichen Spagat zwischen Ansprüchen und Realität.
Melanie Weber-Moritz, oberste Stimme des Deutschen Mieterbundes, bringt’s auf den Punkt: „Viele trauen sich gar nicht mehr, für ihre Rechte einzustehen, aus Angst vor Kündigung oder Mieterhöhung. Wenn Schimmel oder kaputte Heizungen lieber stillschweigend ertragen werden, läuft was schief. Mehr Mieterschutz, mehr Rechtsdurchsetzung und vor allem bezahlbare Wohnungen sind zwingend – Wohnen muss wieder Sicherheit geben.“
Die Erkenntnisse der Aktion werden in "#besserwohnen – Wie können wir die Mietkrise stoppen?" am 31. März (22:50 Uhr, Das Erste/ARD Mediathek) gezeigt. Wer selbst noch was loswerden will: Bis 5. April ist die digitale Haustür auf ard.de/besserwohnen weiter offen.
Die Auswertung der ARD-Aktion #besserwohnen zeigt: Viele Menschen leben aus Angst vor höheren Mieten oder Kündigungen in Wohnungen, in denen sie eigentlich nicht bleiben wollen – der Lock-In-Effekt lähmt den Wohnungsmarkt. Über 80 Prozent der Befragten sind zwar zufrieden mit ihrem derzeitigen Zuhause, dennoch verhindern steigende Preise und mangelnde Alternativen dringend nötige Veränderungen oder Umzüge. Laut aktuellen Medienberichten gibt es bundesweit eine zunehmend emotionalisierte Debatte über explodierende Mieten: Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit wächst weiter, auch weil Neubauten zu schleppend vorankommen und viele Vermieter rechtliche Unsicherheiten ausnutzen. Neuere Berichte, wie etwa in der SZ, betonen zudem die steigende Zahl an Kündigungen wegen Eigenbedarf und den politischen Druck auf Städte, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Zudem wird vielerorts über innovative Wohnmodelle – Wohngemeinschaften, geteiltes Eigentum, Genossenschaften – als mögliche Rettungsanker diskutiert, allerdings fehlt oft die Umsetzungskraft und eine faire Mietpreisbremse. Insgesamt sind Unsicherheit, Ohnmacht und gelegentlich auch Mut zu neuen Wohnexperimenten zentrale Gefühle im deutschen Mietalltag.