„An unserer Mischung aus musikalischer Begeisterung und echter Freundschaft kommt einfach niemand vorbei“, meint Diakon Joachim von Haebler mit einem Augenzwinkern. Er steht seit 1993 an der Spitze der Posaunenmission Bethel – fast schon ein Unikum mit seiner hauptberuflichen Position. Das Repertoire könnte vielseitiger kaum sein: Von der klassischen Kirchenmusik bis hin zu modernen Arrangements von Rock, Jazz, Gospel und gelegentlich sogar einer schelmischen Polka. Rund 75 Menschen, von ganz jung bis richtig alt, nennen diesen Chor ihre musikalische Heimat.
Das sogenannte Haus Schlüsselblume ist für viele der Ort, wo Musik, Gemeinschaftssinn und eine Prise Nostalgie zusammenfinden. Manche sind regelrechte Urgesteine hier – wie Frank Schölz, der seit den Siebzigern die Töne bläst. Für Leute wie David Wattenberg dagegen ist der Chor fast Familiensache – schließlich pfeifte er schon als Kind Melodien aus dem Kinderwagen. Vater und Sohn schwärmen unterschiedlich: David liebt vor allem das Zusammenspiel, während Frank die christliche Botschaft in den Vordergrund stellt. Jahr für Jahr versuchen sie, das Image von Posaunenchören aufzupolieren, gegen den „verstaubten“ Ruf anzuspielen.
Das große Jubiläum wird gefeiert: Vom 3. bis 5. Juli bringen Konzerte und Gottesdienste die Bandbreite des Ensembles zur Geltung. Besonders spannend: Auftritte von Gastensembles und langjährigen Weggefährten. Übrigens: Eintritt frei – einladender geht es kaum.
Ein Blick zurück lohnt: Angefangen hat alles 1875 – damals erspielte sich der Pfleger Peter Venghaus mit seiner Posaune die Herzen der Betheler Bewohner. Bald entstand daraus der erste Chor. Unter Johannes Kuhlo, einer Ikone der evangelischen Bläserbewegung, wuchs der Bekanntheitsgrad schnell, auch durch das berühmte „Kuhlo-Horn-Sextett“. Weniger rühmlich: Kuhlo beförderte ab 1933 offen die NS-Ideologie, ein Schatten in der Geschichte, der auch heute nicht ausgespart wird. Nach dem Krieg waren es vor allem Jugendliche, die neuen Schwung in die Posaunenmission brachten. Heute steht Bethel für Offenheit, Begeisterung und eine lebendige Bläser-Tradition.
Die Posaunenmission Bethel feiert ihr 150-jähriges Bestehen mit mehreren Konzerten, die den bunten Querschnitt ihres Programms und den Gemeinschaftsgeist des Chores präsentieren – von klassischer Musik bis hin zu modernen Stücken und sogar Polka. Ursprünglich durch einen spontanen musikalischen Impuls eines Pflegers im Bielefelder Stadtteil Bethel gegründet, entwickelte sich das Ensemble nicht nur zu einem kirchlichen Zentrum, sondern auch zu einem Treffpunkt für Menschen aller Altersgruppen. Besonders hervorzuheben ist die Aufarbeitung schwieriger Kapitel, wie der Beteiligung Johannes Kuhlos an der NSDAP, sowie das kontinuierliche Streben, heute ein offenes, dynamisches Profil jenseits alter Klischees zu leben.
Neuergebnisse aus der Recherche:
- Laut Informationen aus aktuellen Medienberichten ist die Zahl ehrenamtlicher Musikerinnen und Musiker in Posaunenchören innerhalb Deutschlands weiterhin erstaunlich hoch – viele Chöre bemühen sich aktiv um Nachwuchs und neue musikalische Formate.
- In den letzten Tagen rückten insbesondere generationenübergreifende Projekte und die Integration digitaler Elemente (z.B. Online-Proben während der Pandemie) ins Scheinwerferlicht.
- Zudem gibt es Schulmusiker-Kooperationen, um das Bläserwesen attraktiver zu halten und das musikalische Erbe zu sichern.