Am 14. Juni steht in der Schweiz eine hochumstrittene Abstimmung an: Die antieinwanderungsorientierte SVP will die Einwohnerzahl strikt bei zehn Millionen deckeln. Peter Voser, Verwaltungsratspräsident bei ABB, äußerte im Gespräch mit der FAZ große Bedenken. 'Unser Land lebt geradezu von Offenheit. Wir sind schlichtweg angewiesen auf qualifizierte Einwanderer – sonst klafft eine Lücke, wenn jetzt die geburtenstarke Generation in Rente geht.' Die Initiative sei ein vermeintlich einfacher Ausweg und löse doch keines der eigentlichen Probleme – ob hohe Mieten oder Wohnungsknappheit. Offenbar ist es bequemer, mit dem Finger auf Migration zu zeigen – aber: 'Die Schweizer beanspruchen heute mehr Raum als früher.'
Die offizielle Statistik spricht Bände: Gut 9,1 Millionen Leute wohnen bereits in der Eidgenossenschaft. Wären es 9,5 Millionen, müsste die Regierung sofort familienbedingte Zuwanderung beschneiden, so will es die Initiative. Voser sieht das als gravierende Gefahr: 'Wie attraktiv sind wir als Land noch, wenn hochqualifizierte Menschen ohne ihre Familien umsiedeln sollen? Fachkräfte werden sich zweimal überlegen, ob sie so zu uns kommen.' Die Wirtschaft könnte auf dem Trockenen sitzen bleiben.
Noch heikler: Erreicht die Schweiz besagte zehn Millionen, müsste auf einen Schlag das Personenfreizügigkeitsabkommen mit der EU enden. Das wäre laut Voser fatal – schließlich profitieren Wirtschaft und Produktion in der Schweiz enorm vom problemlosen Zugang zum EU-Binnenmarkt. Ein echtes Erfolgsmodell könnte kippen. Im Alltag – und das übersieht man schnell – sind es viele ausländische Beschäftigte, auf die niemand verzichten kann: im Spital, auf Baustellen, in Hotels – ohne sie ginge es schlicht nicht. Interessanter Nebenaspekt: Im ABB-Führungsgremium sei er der einzige Schweizer. Nur vordergründig ist das ein Argument für die Initianten, meint Voser; viel eher beweise es die multinationale DNA moderner Schweizer Unternehmen. Übrigens spricht sich der ABB-Boss für das neue Vertragswerk 'Bilaterale III' mit der EU aus – das gäbe gerade für kleine und mittelständische Betriebe Klarheit, die auf ein reibungsloses Exportgeschäft angewiesen sind.
Die Diskussion um den Zuwanderungsdeckel in der Schweiz ist dieser Tage wieder besonders aufgeheizt, nicht zuletzt dank der anstehenden Volksabstimmung Mitte Juni. Peter Voser, Vorstand der ABB, betont immer wieder, wie sehr der wirtschaftliche Erfolg der Schweiz von offener Migration und Zugang zum EU-Markt abhängt – seine Argumente werden in aktuellen Beiträgen großer Medien vielfach zitiert und diskutiert. Viele Beobachter und Unternehmensverbände warnten jüngst, ein Volks-Ja zur Initiative könne zu einer Isolierung der Schweiz mit massiven Folgen für den gesamten Arbeitsmarkt und die Wettbewerbsfähigkeit führen, während die Initiatoren dem entgegnen, nur so könne ein 'gesundes Maß' an demokratischer Steuerung und sozialer Stabilität garantiert werden.
Laut taz sieht ein aktueller Bericht die Schweizer Wirtschaft durch mögliche Einschränkungen bei der Personenfreizügigkeit bedroht, da viele Sektoren – vom Gesundheitswesen bis zur Industrie – auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sind. 'Neue Grenzzäune im Kopf helfen niemandem weiter', warnt ein Experte Quelle: taz.
Spiegel Online berichtet von zunehmenden Sorgen unter Schweizer Nachbarländern und in Brüssel: Die Abstimmung könne das langjährige Vertrauensverhältnis zwischen der Schweiz und der EU ernsthaft erschüttern. Unternehmen forderten daher ein klares Bekenntnis zu Weltoffenheit Quelle: Spiegel.
Auf dw.com analysiert ein Beitrag, dass Schweizer Firmen großteils sehr international aufgestellt sind und von Personalvielfalt profitieren. Die Abschottung würde nicht nur den Arbeitsmarkt verknappen, sondern auch Innovationskraft ausbremsen – das zeigen Erfahrungen in vergleichbaren europäischen Ländern Quelle: DW.