Abo-Fallen im Auto: Digitale Fahrzeugdienste kosten häufig extra – ADAC fordert mehr Transparenz

München – Moderne Fahrzeuge sind inzwischen rollende Computer, und viele digitale Services lassen sich Autobauer teuer bezahlen. Der ADAC und das Technikmagazin c't haben untersucht, wie Hersteller mit Abo-Modellen für Navigation, Fernzugriff und Infotainment umgehen. Das Urteil: Fehlende Klarheit bei Preisen und Laufzeiten macht es Autofahrerinnen und Autofahrern schwer, den Überblick über anfallende Zusatzkosten zu behalten.

heute 08:55 Uhr | 2 mal gelesen

Hersteller nutzen zunehmend digitale Services als Geschäftsmodell und bieten beispielsweise App-gesteuerten Zugriff auf Fahrzeuginformationen, Standortermittlung oder die Fernbedienung der Klimaanlage an. Während Anbieter wie Skoda oder Opel ihre Kundschaft mehrere Jahre kostenlos mit solchen Funktionen versorgen (bei Skoda drei, bei Opel und Audi sogar zehn Jahre), gehen andere Marken wie Nio noch großzügiger vor: Dort bleibt der Service lebenslang gratis. Doch beim Thema Navigation und Infotainment wird es teuer – nach einem kostenlosen Zeitraum wollen meist BMW, Mercedes oder Volvo zur Kasse bitten. Besonders undurchsichtig: Manche Hersteller wie Renault legen die Folgekosten erst zum Ablauf der Gratisphase offen, bei Volvo bleibt es bis kurz vor Ende der vier kostenlosen Jahre unklar. So klaffen zwischen den Herstellern große Unterschiede, was die Kostenstruktur betrifft. Für Verbraucher ist es kaum möglich, die Gesamtkosten der digitalen Autodienste realistisch abzuschätzen – besonders, wenn das Fahrzeug nach wenigen Jahren den Besitzer wechselt. Der ADAC rät daher insbesondere Kunden von jungen Gebrauchtwagen, vor dem Kauf genau zu prüfen, welche digitalen Funktionen noch laufen und welche Abo-Gebühren demnächst anstehen. Am besten sollten Käufe auch schriftlich dokumentiert werden, was an digitalen Services abgedeckt ist – und ob man die kostenpflichtigen Angebote überhaupt dauerhaft braucht. Es könnte sich lohnen, Alternativen von Drittanbietern zu prüfen. Der Automobilclub fordert zudem, dass sicherheitsrelevante Basisdienste vollständig kostenfrei bleiben und dass Abo-Modelle auch über Besitzerwechsel hinweg übertragen werden können. Außerdem solle es für Drittanbieter Schnittstellen geben, um Wettbewerb und Innovation zu ermöglichen.

Autobesitzer sehen sich immer häufiger mit Zusatzgebühren für digitale Dienste im Fahrzeug konfrontiert, die das Gesamtpreisgefüge erheblich beeinflussen können. Die Marktanalyse von ADAC und c't belegt, dass mangelnde Transparenz und stark abweichende Preisstrategien der Hersteller eine realistische langfristige Kostenplanung erschweren. Neben dem Wunsch nach klaren Abo-Regelungen drängt die Diskussion auch auf offene Schnittstellen für Drittanbieter, damit Nutzer nicht dauerhaft an den jeweiligen Autohersteller gebunden bleiben. Mehrere aktuelle Berichte bestätigen den Trend wachsender Unzufriedenheit bei Verbrauchern, die sich durch die immer zahlreicher werdenden digitalen Abodienste im Auto gegängelt fühlen. Kritiker sehen die Gefahr, dass die Mobilitätskosten damit weiter steigen – gerade dann, wenn oftmals unklar bleibt, welche Funktion künftig zusätzlich bezahlt werden muss. Stimmen aus Branchenkreisen (u. a. IT- und Verbraucherschutzverbände) warnen bereits davor, dass ausgerechnet Komfort- und Sicherheitsfunktionen zum Geschäftsmodell werden könnten. Trotz Bemühungen mancher Marken um Offenheit gibt es bislang keine einheitlichen Standards, etwa bei der Übertragbarkeit von Abos oder der Anbindung externer Lösungen. In den letzten Tagen haben Medien über ähnliche Probleme beim digitalen Autonutzung berichtet: Die Süddeutsche Zeitung schildert die zunehmende Verunsicherung vieler Kunden durch Abo-Modelle im Kfz-Bereich und hebt die Forderungen des ADAC nach klareren Regeln hervor. Die FAZ beschäftigt sich mit der Problematik der Kostenfalle bei beim Wechsel des Fahrzeugbesitzers, während die Zeit auf die grundsätzliche Fragwürdigkeit von Komfort-Abos eingeht – im Mittelpunkt stehen dabei Datenschutz, technische Abhängigkeit und Fairness.

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