AÏDA: Die Wiener Kaffeehauskette, die Geschichte schrieb – und weiter schreibt

Wien. Wer Kaffeehauskultur sagt, denkt an Marmorplatten, Tageszeitungen und ein Lebensgefühl zwischen Melange und Mehlspeisen. Dass die älteste, noch bestehende Kaffeehauskette der Welt ausgerechnet hier entstand, verwundert da fast nicht mehr: Seit 1913 steht AÏDA mit seinem charakteristischen Rosa für die Verschmelzung von österreichischer Tradition, Familiensaga und erfrischender System-Gastronomie. Heute führt Dominik Prousek die legendäre Idee seines Urgroßvaters, die von Wien aus rund um den Globus wirkt, mit viel Fingerspitzengefühl weiter.

02.07.26 12:10 Uhr | 1 mal gelesen

Wien und das Kaffeehaus – eine Verbindung, die schon fast zu kitschig klingt, um wahr zu sein. Doch was viele nicht wissen: Die jüngsten internationalen Recherchen des Journalisten Mark Lane bringen Licht in eine Seite der Geschichte, die auch manchen Wien-Kenner überrascht. Während Seattle mit Starbucks glänzt, hatte Wien schon 1913 das, was wir heute als Coffee-Shop-Kette feiern. Die rosa schimmernde Café-Konditorei AÏDA, damals von Josef Prousek erfunden, stand für System, Handschrift und gemeinsame Qualität, bevor Koffein ein globales Wirtschaftssymbol wurde.

Lane, dem diese Details bei seinen Studien zu Kaffeehauskulturen auffielen, fand heraus, dass AÏDA 1913 bereits mehrere Läden unter einer Marke vereinte – ein Meilenstein, der weit vor bekannten Namen aus Übersee lag. Noch bevor Marketing und Franchising Schlagwörter wurden, baute Prousek eine Kette auf: gleicher Genuss, gleiche Mehlspeisen, gleicher Ton zwischen Gastlichkeit und Selbstbewusstsein. Eigentlich logisch, dass daraus ein Wiener Wahrzeichen wurde; aber schräg bleibt es trotzdem, wie lang die Welt gebraucht hat, das zu kopieren.

Wirklich spannend ist, wie viel von dem, was heute als systemgastronomischer Standard gilt, aus Wien stammt: Wiedererkennbare Produkte, einheitlicher Auftritt, Qualität als Versprechen – all das war 1913 neu. Sogar die Uniformen sorgten dafür, dass man sich beim Betreten einer AÏDA-Filiale ein bisschen wie zu Hause fühlen konnte, egal an welchem Eck der Stadt. Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es schon fünf Filialen, dann wurde tapfer wiederaufgebaut – Stichwort: Donuts für US-Soldaten.

Eine echte Wiener Kaffeehauskette unterscheidet sich von globalen Coffee Brands immer noch durch ihre Seele – so klingt es zumindest, wenn Dominik Prousek, Urenkel des Gründers, ins Mikrofon spricht: Hier gibt’s keine anonyme Massenware, sondern Handwerk, Familientradition und echtes Wiener Flair. Der Rosa-Ton stammt übrigens nicht aus einer Marketingagentur: Rosa Prousek, die Frau an Josefs Seite, war Namensgeberin dieser Farbe. Heute ist dieses Rosa ein Fixpunkt im Stadtbild – und ein Stück Identität der Marke.

Inzwischen exportiert AÏDA Wiener Kaffeehauskultur per Travel-Retail nach Berlin, München, Jeddah – oft in Partnerschaft mit internationalen Gastro-Größen. Anfangs belächelt, wurde das Konzept 2025 schließlich als „Coffee Brand of the Year“ ausgezeichnet. Die Geschichte zeigt: AÏDA war nie eine Massenproduktion – das hauseigene Mehlspeisen-Handwerk, regionale Zutaten und der Mut, das Rad nicht neu zu erfinden, sind das Geheimnis der Beständigkeit.

Worauf ich persönlich immer wieder zurückkomme, ist das Bild eines Alltagsmomentes: Der Duft von Vanille, der leichte Kakaostaub auf dem Milchkaffee, ein Zeitungsfetzen auf glattem Marmor. Darin steckt das Versprechen der Kette – Alltag, der kurz zum Fest wird. Und ja: Vielleicht haben sich die Kaffee-Trends geändert und alles geht heute schneller, kostet mehr oder kommt im Pappbecher. Aber ein Ort, an dem ein Stück Kuchen auch ein Stück Zuhause meint, bleibt dann doch irgendwie konkurrenzlos. Wer kann schon behaupten, die Seele Wiens an über vierzig Standorten zu servieren?

AÏDA ist unbestritten die älteste, kontinuierlich existierende Kaffeehauskette der Welt und wurde 1913 von Josef Prousek in Wien gegründet. In über einem Jahrhundert entwickelte sich AÏDA von einer lokalen Konditorei zu einer international agierenden Marke, deren pinker Markenauftritt und Qualitätsversprechen sie in Deutschland, dem Nahen Osten und darüber hinaus zu einem beliebten Vertreter österreichischer Kaffeehauskultur gemacht haben. Neuere Recherchen heben hervor, dass die Innovationskraft nicht gebremst ist: Seit 1946 revolutionierte AÏDA mit der ersten Espressomaschine Österreichs das Kaffeehaus-Erlebnis, in jüngster Zeit erhielt die Kette große Auszeichnungen wie den Pepsi European QSR Franchise Award als "Coffee Brand of the Year" und eröffnete neue Standorte in internationalen Flughäfen. Heute bleibt der Balanceakt zwischen gelebter Tradition und moderner Internationalität das Alleinstellungsmerkmal von AÏDA: Eigene Backstube, regionale Zutaten und ein echter Familienbetrieb sind rar – auch im Zeitalter globalisierter Coffee-Shops. Während viele Mitbewerber auf Geschwindigkeit und Uniformität setzen, setzt AÏDA weiterhin auf handwerkliche Qualität – und bleibt dabei dem Wiener Ursprung treu. Zugleich spiegelt AÏDAs Geschichte auch das Spannungsfeld zwischen Nostalgie und Zukunftsorientierung wider, ein Motiv, das in Medienberichten gerne als Beweis für die Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft der Wiener Kaffeehauskultur zitiert wird.

Schlagwort aus diesem Artikel