Manchmal merkt man erst im Nachhinein, wo es geknirscht hat. Merkel sieht das inzwischen ähnlich, was Verteidigungs-, Klima- und Digitalthemen angeht. In einem Gespräch mit der 'Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung' gestand sie, dass besonders der Anstieg der Militärausgaben zu langsam vorangegangen sei. Sie widersprach wohl zwar der Behauptung, die Bundeswehr sei zum Zeitpunkt des russischen Überfalls auf die Ukraine völlig leer gewesen. Dennoch räumte sie ein, dass der Verteidigungsetat ab 2015 zwar wuchs – aber: 'Nicht schnell genug', so ihr ehrliches Fazit.
Auch die Digitalisierung Deutschlands, das ist kein Geheimnis, hat Merkel ordentlich Nerven gekostet. Sie sei oft frustriert gewesen über das Schneckentempo und die Hürden im föderalen System. Zu Klimafragen zog sie einen ebenso selbstkritischen Strich drunter: 'Klar, Vorsorge – schön und gut, aber gemacht haben wir letztlich zu wenig.'
Für weitere Ämter fühlt sich Merkel übrigens nicht berufen. Ihr politisches Leben sei 'mehr als ausgefüllt', und auf Wirrungen über künftige Positionen, etwa als Bundespräsidentin, winkt sie recht trocken ab: 'Verspielter Umgang, sollte man lassen.' Vermittlerin im Ukraine-Konflikt? Für Merkel undenkbar ohne aktuelle Legitimation: Nur wer echte politische Macht hat, könne da verhandeln – das sei immer so gewesen.
Die ehemalige Kanzlerin Angela Merkel reflektiert öffentlich über Schwächen ihrer Regierungszeit. Besonders deutlich werden für sie die Defizite beim Ausbau der Verteidigungsfähigkeiten, der schleppenden Digitalisierung und einem zu zögerlichen Klimaschutz. In jüngsten Interviews betont sie, dass ihre Motivation für neue politische Aufgaben erschöpft sei; erneute politische Ämter oder eine Vermittlerrolle im Ukraine-Krieg schließt Merkel klar aus.
Aktuelle Stimmen und Berichte verdeutlichen, dass die Herausforderungen geblieben sind: Denn trotz millionenschwerer Nachrüstungsprogramme und der geplanten Zeitenwende nach Putins Angriff bleibt die Bundeswehr laut Experten weiter Schlusslicht vieler NATO-Rankings. In der Digitalpolitik hinkt Deutschland – auch nach Merkel – fast nostalgisch anderen EU-Staaten hinterher, was Infrastruktur und Verwaltung angeht (vgl. Digitalisierungsberichte von Bitkom und der EU). Im Umweltschutz werden die alten Versäumnisse inzwischen von den Gerichten und Umweltverbänden lautstark angeklagt, während politisch Streit über Tempo und Mittel an der Tagesordnung ist.