Anja Niedringhaus: Leben, Bilder, ein ungeklärtes Ende

Eine SWR-Produktion rückt am 12. Januar 2026 auf Das Erste und in der ARD Mediathek das bewegte Leben und den rätselhaften Tod der Fotoreporterin Anja Niedringhaus ins Scheinwerferlicht.

05.01.26 11:25 Uhr | 25 mal gelesen

Anja Niedringhaus. Ihr Name sagt vielleicht nicht jedem gleich etwas, doch ihre Fotografien, sie hinterlassen Spuren – auf Titelseiten, in den Köpfen. Ein Vierteljahrhundert lang begleitete sie Krisen, Kriege und Menschen mit ihrer Kamera, und stieß nicht nur draußen, sondern auch im eigenen Beruf auf jede Menge Widerstände. 'Die Fotografin und der Krieg', so der Titel der neuen SWR-Dokumentation, erzählt wie sie wurde, was sie war, leuchtet aber insbesondere die schwarzerleuchteten Abgründe um ihren Tod 2014 in Afghanistan aus. Noch immer steht der Verdacht im Raum: Haben Fehler oder gar Gleichgültigkeit westlicher und afghanischer Ermittler mit dazu beigetragen, dass Anjas Leben so früh enden musste? Am 12. Januar 2026 läuft der Film abends im Ersten, nachher noch 100 Tage lang in der Mediathek. Wie genau starb sie eigentlich im Hof dieser Polizeistation? Gemeinsam mit Kollegin Kathy Gannon begleitete Niedringhaus einen Transport von Wahlurnen, mitten in den Unsicherheiten Afghanistans. Plötzlich Schüsse – Niedringhaus wird tödlich getroffen, Gannon schwer verletzt. Die offizielle Version: ein religiös verblendeter Einzeltäter. Doch der Film, nah an Zeugen, Akten und Schauplätzen, kratzt energisch am Polizeibericht und legt Widersprüche bloß. Westliche Institutionen und afghanische Behörden schauen weg, ignorieren Warnsignale, so das Resümee aus monatelangen Recherchen quer über Kontinente. Was von ihr bleibt? Ihre unverwechselbare Art, die großen Dramen dieser Welt immer aus ganz naher, menschlicher Perspektive einzusammeln. Kollegen und Freundinnen wie Jutta Steinhoff (dpa), Ulrike Demmer (damals SPIEGEL), ihre Familie und Wegbegleiter geben dem Dokumentarfilm eine persönliche Tiefe, die bei weitem über fotohistorische Betrachtungen hinausgeht. Eine Produktion von Bildersturm Film zusammen mit SWR, DW & ARTE. Wer mag, streamt das Ganze nach der TV-Ausstrahlung noch einen guten Monat in der ARD Mediathek. Weiterführendes gibt es unter http://swr.li/anja-niedringhaus-die-fotografin-und-der-krieg.

Die Dokumentation über Anja Niedringhaus beleuchtet nicht nur ihre beeindruckende Karriere als Kriegsfotografin und Pulitzer-Preisträgerin, sondern nimmt auch die undurchsichtigen Umstände ihres Todes 2014 in den Blick und stellt die gängige Täter-Opfer-Erzählung infrage. Mit bislang wenig beachteten Ermittlungsdetails und der Perspektive von Wegbegleitern bekommt die Frage, ob westliche Behörden Mitschuld an ihrem Tod tragen, neues Gewicht. Die Recherchen rücken zudem in den Fokus, wie weibliche Stimmen im Journalismus in Kriegsgebieten oft marginalisiert werden, und stellen Niedringhaus' einzigartigen fotografischen Ansatz sowie ihre Sensibilität für Menschlichkeit trotz Gewalt erneut ins Rampenlicht. Ergänzend finden sich im aktuellen Nachrichtengeschehen Hinweise auf jüngste Bedrohungen für Pressefreiheit, erneute Gewalttaten gegenüber Reportern in Konfliktzonen sowie Diskussionen um den Umgang westlicher Mächte mit toten Journalisten, etwa in Gaza, der Ukraine und dem Sudan. Außerdem ist die Frage, wie der Westen seiner Verantwortung nachkommt, Journalist*innen zu schützen und Gerechtigkeit für die Opfer herzustellen, nach wie vor hochbrisant. Die Diskussion um strukturelle Probleme, fehlende Aufklärung und die Rolle von Medialen Erzählungen in Kriegsgebieten bleibt weiterhin ein prominentes Thema in Medien und Öffentlichkeit.

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