Wenn man über Apotheken spricht, denkt man eigentlich nicht sofort an das Thema ungleiche Verteilung. Doch die neue Studie macht klar: Die sprichwörtliche Dorfapotheke ist längst nicht mehr überall selbstverständlich, sondern vielerorts allein auf weiter Flur. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Thüringen übernehmen sogenannte ‚Einzelapotheken‘ oft die komplette Arzneimittelversorgung ganzer Landstriche. Fällt so ein Standort weg, müssen die Menschen oftmals enorme Strecken auf sich nehmen – ein echtes Problem vor allem für ältere Menschen, die ohne eigenes Auto unterwegs sind.
Gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass auch in Großstädten wie Berlin kaum alles in Butter ist: Die Dichte an Apotheken hat dort ebenfalls abgenommen; die verbliebenen Betriebe stemmen eine wachsende Zahl an Patientinnen und Patienten. Das klingt fast paradox – auf dem Land fehlen Apotheken, in der Stadt werden die wenigen vorhandenen überfordert.
Dass Krankenkassen und Politik auf durchschnittliche Wegzeiten verweisen, geht nach Ansicht des Apothekerverbandes an der Realität vorbei. Denn im Alltag kommt es auf die tatsächliche Erreichbarkeit und Versorgungssicherheit an – vor allem, wenn wieder mal eine einzige Apotheke eine ganze Gemeinde am Laufen hält. Fakt ist: Die Zahl der Apotheken sinkt kontinuierlich. In 13 Jahren verschwanden 20 Prozent aller Standorte.
Die Forderung: Die Vergütung der Apotheken muss an die wirtschaftliche Entwicklung angepasst werden, sonst stehen wir vielleicht irgendwann wirklich vor der Frage, ob das Rezept noch rechtzeitig zur Genesung beiträgt.
Die aktuelle ILS-Studie, erstellt für die ABDA, zeigt erstmals präzise, wie groß die Entfernungen für Millionen Deutsche zur nächsten Apotheke geworden sind. Während bundesweit die Apothekenzahl sinkt – allein im vergangenen Jahr schlossen über 300 Standorte – sind besonders ländliche Gegenden betroffen, in denen die Schließung einer einzelnen Apotheke teils gravierende Folgen für viele Menschen hat. Recherchen aktueller Medienberichte zeigen außerdem, dass die flächendeckende Gesundheitsversorgung auch durch zunehmende Lieferengpässe bei Medikamenten sowie Schwierigkeiten bei der Nachwuchsgewinnung für Apothekenpersonal weiter unter Druck gerät: Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie warnt beispielsweise vor weiter steigenden Versorgungsrisiken, sollten Apothekenschließungen und Fachkräftemangel nicht entschärft werden. Eine Auswertung der ersten Jahreshälfte 2024 deutet darauf hin, dass ohne politische Maßnahmen die Versorgungslücken weiter wachsen werden, zumal die Deutschen zudem durchschnittlich älter und damit gesundheitlich stärker auf Apotheken angewiesen werden. Trotz eingeführter digitaler Rezepte und Online-Bestellungen bleibt die Vor-Ort-Apotheke in kritischen Situationen bisher unersetzlich, gerade, wenn Akutmedikation oder Beratung nötig sind.