Apothekenhonorar unter der Lupe: Bundesregierung bewegt sich – aber reicht das?

Berlin – Nach langer Funkstille beim Thema Apothekenvergütung rührt sich was: Das Bundeskabinett will das Apothekenhonorar anheben – zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt. Deutschlands Apotheker begrüßen den Schritt, kritisieren aber, dass die Verbesserungen in Etappen kommen und durch neue Sparpläne gleich wieder konterkariert werden.

heute 13:00 Uhr | 5 mal gelesen

Stellen Sie sich vor: 13 Jahre lang bleibt der Lohn für eine wichtige Dienstleistung unverändert – kein Wunder, dass jede fünfte Apotheke inzwischen dichtgemacht hat. Thomas Preis, der Präsident der ABDA, drückt das ziemlich klar aus: 'Es war höchste Zeit. Endlich wird die Honorarerhöhung aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt – auch wenn 9,50 Euro pro verschreibungspflichtigem Medikament das Problem nur abschwächt, nicht löst.' Der Jubelstimmung folgt sofort der Dämpfer: Das Honorar steigt stufenweise, und durch die geplante Anhebung des Apothekenabschlags (auf 2,07 Euro ab 2027) wird die finanzielle Erleichterung für viele unmittelbar wieder geschmälert. Viel Frust herrscht auch darüber, dass die Regierung damit den Apotheken den Wind aus den Segeln nimmt, kaum dass sie ihn bekommen haben. Wie bitte soll denn so eine sichere, wohnortnahe Arzneimittelversorgung aufrechterhalten werden, wenn immer mehr Apotheken dichtmachen? Lange Wege, wenig Beratung, überforderte große Häuser – das kann es kaum sein!

Ein bisschen Bürokratie-Detektivarbeit: Mehrere Gesetzesänderungen schwirren parallel durchs Apothekenwesen. Neu ist das ApoVWG, mit dem Apotheken weitere pharmazeutische Dienstleistungen anbieten und demnächst noch mehr Impfungen (z.B. Tetanus, FSME) durchführen dürfen. Koppelnd dazu erhöht der Gesetzentwurf zur GKV-Beitragsstabilisierung den Abschlag der Apotheken an die Kassen – die oft zitierten 2,07 Euro pro Rezept ab 2027. Unterm Strich: Es gibt mehr Aufgaben, aber gleichzeitig weniger netto für jede abgegebene Packung. Wer soll da noch ruhig bleiben?

Mehr Details und Quellen gibt es unter www.abda.de

Pressekontakte:
Benjamin Rohrer, Pressesprecher, 030 40004-131, b.rohrer@abda.de
Christian Splett, Stellvertretender Pressesprecher, 030 40004-137, c.splett@abda.de

Originalmeldung von: ABDA Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände via news aktuell

http://ots.de/5ff0c5

Das Bundeskabinett reagiert endlich auf die jahrzehntelange Stagnation beim Apothekenhonorar. Obwohl die jahrzehntelang nicht angepasste Vergütung jetzt stufenweise angehoben wird, fühlen sich viele Apotheken durch den fast zeitgleichen Plan, den Apothekenabschlag zu erhöhen, übergangen – die finanzielle Situation könnte sich trotz Anhebung kaum entspannen oder teils sogar verschlechtern. Während Apotheken künftig mehr Aufgaben übernehmen und zusätzliche Leistungen wie Impfen anbieten sollen, sorgt die Regierung für Unsicherheit, da die Maßnahmen unter dem Strich widersprüchlich wirken: mehr Verantwortung und Belastung, aber keine echte finanzielle Stärkung. Neuere Presseberichte bestätigen diese Problematik. Laut aktueller Berichterstattung der 'Süddeutschen Zeitung' rechnen viele Apothekenbetriebe nicht mit einer umfassenden Besserung – zu groß seien die bürokratischen Hürden und zu gering die tatsächlich ankommende Entlastung. 'Die Zeit' hebt hervor, dass vor allem kleine, ländliche Apotheken durch die geplanten Sparmaßnahmen weiter unter Druck geraten und die wohnortnahe Versorgung gefährdet bleibt. In Analysen der 'FAZ' wird betont, dass Apotheker nicht nur als Medikamentenabgeber, sondern immer mehr als Lotsen im Gesundheitswesen gefordert werden – ohne angemessene Ausstattung droht ein Versorgungsengpass.

Schlagwort aus diesem Artikel