Prävention überzeugt… und motiviert
Wenn man Beschäftigte in Deutschland fragt, sind sich erstaunlich viele einig: Gute Präventionsarbeit ist kein nettes Extra, sondern schlicht unentbehrlich. Fast 90 Prozent bestätigen, dass Prävention Unternehmen gegenüber Krisen widerstandsfähiger macht und dem „Standort Deutschland“ gut steht. Besonders hoch bewertete Maßnahmen? Ersthelfende benennen und schulen (ganze 94 Prozent befürworten das), Brandschutz- und Sicherheitsbeauftragte etablieren, sind jeweils für 84 Prozent relevant – das liest sich fast wie ein Manifest der Vernunft.
Bemerkenswert ist: Führungskräfte wollen offenbar nicht einfach nur Vorschriften abhaken, sondern haben oft das Wohl ihrer Leute im Kopf. Laut Befragung sagen 94 Prozent von ihnen, sie möchten den Beschäftigten ermöglichen, die Arbeit gesund bis zur Rente zu machen. Erst danach stehen Motive wie Compliance oder ökonomische Überlegungen. Ein Drittel der befragten Chefinnen und Chefs hat sogar zuletzt mehr Geld in den Arbeitsschutz gesteckt. DGUV-Chef Dr. Stephan Fasshauer meint dazu: „Prävention ist keine Zugabe, sondern das Fundament, damit Betriebe funktionieren – gerade unter Druck.“ Seine These: Sicheres Arbeiten stützt am Ende nicht nur die Einzelnen, sondern ganze Gesellschaften.
Risikoszenarios – Unternehmen oft nur punktuell vorbereitet
Selbst wenn das Bewusstsein für Prävention enorm ist, gibt es Lücken. Klar: Auf Pandemie, Brand oder Explosion fühlen sich recht viele gewappnet (je nach Gefahrenszenario zwischen 60 und 64 Prozent der Befragten). Cyberattacken – immerhin die Hälfte der Beschäftigten traut ihrem Unternehmen da etwas zu. Aber bei Dauer-Stromausfall, Lieferkettenkollaps oder Naturkatastrophen wird es dünn: Weniger als ein Drittel hält den eigenen Betrieb für wirklich vorbereitet. Krisenpläne gibt es häufig, aber der Alltag zeigt: Kleinere Unternehmen tun sich mit Notfallvorsorge erheblich schwerer. Brandschutzübungen oder Gefährdungsbeurteilungen – vielfach Mangelware im Vergleich zu größeren Firmen. Am Ende bleibt das Wissen für Krisenreaktion noch zu oft Stückwerk.
Sicherheitswissen – ein Exportgut für die Gesellschaft?
Die gesetzlichen Unfallversicherer schulen pro Jahr Millionen Menschen in Erster Hilfe oder qualifizieren zehntausende Beschäftigte als Sicherheitsverantwortliche. DGUV-Hauptgeschäftsführer Fasshauer bringt es auf den Punkt: „Krisenfestigkeit beginnt am Arbeitsplatz“. Und: Beschäftigte nehmen das Know-How aus dem Job mit – ins Ehrenamt, zu Hause, in die Nachbarschaft. So wächst Sicherheit als Gesellschaftswert, quasi fast nebenbei. Eine Beobachtung am Rand: Wer einmal gute Notfallstrukturen im Arbeitskontext kennengelernt hat, dürfte sie auch privat zu schätzen wissen.
Fakten zur Studie und methodischer Rahmen
Das „DGUV Barometer Arbeitswelt“ ist übrigens kein Bauchgefühl, sondern basiert auf einer durchdachten forsa-Erhebung. Über 2.000 erwerbstätige Menschen, darunter viele Führungskräfte, wurden im Februar 2026 befragt – die Fehlerquote liegt bei ± 2,5 Prozentpunkten. Ein weiteres Kapitel in der laufenden Debatte um Gesundheits- und Sicherheitsstandards, das durchaus zur Selbstreflexion in Chefetagen anregt.
Die aktuellen DGUV-Zahlen unterstreichen einen positiven Trend: Die Arbeitsunfälle in Deutschland gehen zurück, während das Bewusstsein für Präventionsmaßnahmen wächst. Bemerkenswert ist, dass besonders kleinere Unternehmen Nachholbedarf bei systematischer Notfallvorsorge haben. Angesichts neuer Risiken – von Cyberangriffen bis hin zu Naturkatastrophen – fordern Expert:innen, Arbeitsschutz ganzheitlich zu denken und flexibler an die Realität betrieblicher Abläufe anzupassen. Neuere Debatten aus der Fachpresse legen nahe, dass sich Unternehmen zunehmend mit Fragen betrieblicher Resilienz beschäftigen; gleichzeitig geraten psychische Belastungen und nachhaltige Gesundheitskonzepte stärker in den Fokus. Die DGUV plant deshalb, den Austausch zwischen Betrieben gezielt auszubauen und neue Impulse für eine lernende Präventionskultur zu setzen.