So langsam fragt man sich wirklich: Was braucht es noch, damit sich bei Frauenrechten spürbar etwas tut? Ferda Ataman legt den Finger in die Wunde und wirft der Bundesregierung Nichtstun beim Thema Gleichstellung vor. Nach ihren Worten ist das sogenannte Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Deutschland 'alt und harmlos' – und irgendwie stimmt das. Zwanzig Jahre und trotzdem landen wir regelmäßig auf hinteren Plätzen, was Lohngleichheit betrifft. Besonders absurd findet Ataman, dass es hierzulande noch als normal gilt, wenn jemand mehr Gehalt bekommt, weil er oder sie einfach besser pokert oder sich verkauft – männliche Bewerber profitieren davon überdurchschnittlich. Und während man immer wieder über Krankheitstage diskutiert, bleiben Mütter zuhause, weil der Nachwuchs nicht betreut werden kann. Manchmal kommt es einem fast so vor, als würde – um in Atamans Stil zu bleiben – tatsächlich zuerst der Mensch auf dem Mars spazieren gehen, bevor Frauen hier irgendwann mal für gleiche Arbeit gleich bezahlt werden. Die Regierung müsse dringend lernen, dass unbezahlte Sorgearbeit einen Großteil der Gesellschaft überhaupt am Laufen hält. Apropos: Der Equal Pay Day fällt dieses Jahr auf den 27. Februar. Man könnte meinen, es läge etwas in der Luft – und trotzdem passiert erschreckend wenig.
Ferda Ataman stellt sich auf die Seite der Frauen und moniert insbesondere die schleppende Umsetzung der europäischen Entgeltgleichheitsrichtlinie durch die Bundesregierung. Tatsächlich ist bisher wenig passiert, während die Deadline zur Implementierung der EU-Vorgaben im Juni bedrohlich nahe rückt. Laut Schätzungen laufen dem Staat dadurch Monat für Monat hohe Kosten auf, bei gleichzeitiger Verschlechterung des internationalen Rufs in Gleichstellungsfragen. Experten und Studien unterstreichen Atamans Einschätzung: Deutschland hat beim Gender Pay Gap weiterhin Nachholbedarf, auch weil viele politische Vorhaben entweder im Koalitionskrach steckenbleiben oder zu zaghaft angepackt werden. Dass es bei Gleichstellungsthemen hakt, zeigt nicht zuletzt die mangelnde Bezahlung von sogenannten Care-Tätigkeiten und die fehlende Kinderbetreuung. Die gesellschaftliche Debatte kreist weiterhin viel zu sehr um Nebenkriegsschauplätze, anstatt sich mutig und praktisch um echte Veränderung zu bemühen.