„Eine Erhöhung der Erbschaftsteuer? Käme für mich nicht infrage“, betont Reiche überzeugt im Gespräch mit dem Focus. Ihr Hauptargument: Besonders Familienunternehmen, die nach wie vor als Rückgrat der deutschen Wirtschaft gelten, würden durch eine solche Maßnahme empfindlich getroffen. Irgendwie verstehe ich das – schließlich sind es oft genau diese Betriebe, die in Krisenzeiten für Stabilität sorgen. Reiche findet auch deutliche Worte gegen die pauschale Kritik an sogenannten Leistungsträgern. Sie fordert, dass nicht vorschnell unterstellt werden sollte, wer vermögend sei, handele automatisch selbstsüchtig. Zunächst müsse jetzt aber, so die Ministerin, das Urteil des Bundesverfassungsgerichts abgewartet werden. Erst danach gelte es, gesetzlich nachzuschärfen – aber eben nur im Rahmen des verfassungsrechtlich Notwendigen. Die CDU-Politikerin unterstreicht zusätzlich, Gerechtigkeit heiße auch, Verantwortungsträger zu unterstützen, die mit ihrem Vermögen persönlich haften. Im weiteren Verlauf betont Reiche das sogenannte Aufstiegsversprechen: Menschen müssten in Deutschland wieder erleben, dass Engagement tatsächlich zum Erfolg führen kann. Auf ihrer Wunschliste stehen ein routiniert funktionierender Sozialstaat, wettbewerbsfähige Steuern und ein echter Digitalisierungsschub. Mit anderen Worten: Unternehmertum soll nicht nur Last sein, sondern wieder Freude machen – ganz konkret mit Blick auf 2030. So die Theorie; ob das klappt? Da bleibt wohl doch eine Portion gesunder Skepsis.
Im Kern dreht sich die aktuelle Debatte um die Frage, ob eine höhere Erbschaftsteuer wirklich im Sinne von Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Vernunft ist. Viele Familienunternehmen sehen sich bedroht, wenn Belastungen steigen, da sie oft nicht über riesige Finanzpolster verfügen, sondern ihr Vermögen im Betrieb gebunden ist. Verschiedene Stimmen fordern jedoch, hohe Vermögen müssten stärker besteuert werden, um soziale Ungleichheit abzubauen – das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Rechtmäßigkeit der bisherigen Regelungen ist in Kürze zu erwarten. Recherchen zeigen, dass in den letzten Tagen unter anderem die Stimmen der Wirtschaftsverbände und Unternehmensvertreter nochmals lauter wurden: Sie warnen vor Arbeitsplatzverlusten und dem schwindenden Anreiz, Unternehmen in Deutschland weiterzuführen. Auch wird auf einen internationalen Kontext verwiesen – in manchen Staaten sind die Steuersätze deutlich niedriger, weshalb eine unkluge Anpassung die Standortattraktivität gefährden könnte.