Deutsche Wirtschaft in Sorge: DIHK warnt vor längeren Belastungen

Auch nach der Waffenruhe im Nahen Osten bleibt die Unsicherheit. Die deutsche Wirtschaft kämpft weiterhin mit Lieferengpässen und hohen Energiepreisen – die DIHK sieht akuten Handlungsbedarf.

heute 00:02 Uhr | 4 mal gelesen

Man könnte nach der angekündigten Waffenruhe im Nahen Osten meinen, es kehre etwas Ruhe ein. Dem ist aber offensichtlich nicht so, wie Volker Treier vom DIHK der 'Rheinischen Post' (Donnerstag) erklärt: Die Lage bleibt komplex, Nerven liegen blank. Laut einer frischen Umfrage unter den Auslandshandelskammern (AHK) geben etwa 85 Prozent der befragten Unternehmen an, von den Konsequenzen des Kriegs direkt oder zumindest indirekt betroffen zu sein. Selbst bei geöffneter Straße von Hormus – und das ist keine Selbstverständlichkeit – bleiben die Folgen: Logistik hakt, Energie-Infrastruktur bleibt angeschlagen, und die Kosten schnellen in die Höhe. Im Prinzip ein Bild, das der deutschen Wirtschaft schon bekannt vorkommt, denn Energiepreise waren hierzulande ohnehin selten günstig. Wenn dann zusätzlich Arbeitskosten, Steuern, Abgaben und bürokratische Hürden aus allen Nähten platzen, wird es düster am Horizont. Deshalb wolle man, so Treier, nicht nur akute Maßnahmen von der Regierung sehen, sondern endlich mal ernsthafte, grundlegende Reformen. Einfach mal den großen Werkzeugkasten auspacken. Alles andere wäre zu wenig.

Die DIHK sieht trotz der aktuellen Waffenruhe in der Nahost-Region kaum Entlastung für die deutsche Wirtschaft. Insbesondere Störungen in den globalen Logistikketten und die fragile Energieversorgung treiben Kosten und Unsicherheit weiter in die Höhe. Die Industrie fordert von der Bundesregierung anhaltende Unterstützung und verlangt dringend nach strukturellen Reformen – pragmatische Einzelmaßnahmen reichen längst nicht mehr aus. Die Strompreise für deutsche Unternehmen sind nach wie vor im internationalen Vergleich extrem hoch, was die Konkurrenzfähigkeit untergräbt. Dazu verschärfen anhaltende Lieferprobleme – beispielsweise bei wichtigen Rohstoffen und Vorprodukten – sowie die ungeklärte Frage langfristiger Energiesicherheit das Problem. Verschiedene aktuelle Stimmen aus Wirtschaft und Forschung, etwa das Institut der Deutschen Wirtschaft, warnen vor einer schleppenden Erholung; viele Unternehmen engagieren sich bereits in neuen Liefernetzwerken und setzen auf alternative Transportwege. Bei manchen Firmen wächst die Sorge vor De-Industrialisierungstendenzen, wie sich in mehreren Leserkommentaren großer Nachrichtenportale widerspiegelt.

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