AWO fordert Neuausrichtung von Sozialleistungen

Mit einem frischen Reformvorschlag will die Arbeiterwohlfahrt (AWO) die Armutsbekämpfung in Deutschland neu denken: Mehrere Sozialtransfers sollen verschmolzen werden.

heute 11:00 Uhr | 2 mal gelesen

Am Mittwoch hat der AWO-Bundesverband in Berlin gemeinsam mit dem ifo-Institut eine Untersuchung vorgestellt, die aufhorchen lässt. Im Zentrum: die Idee, Wohngeld, Kinderzuschlag und Grundsicherung zu einem einzigen, umfassenden Sozialsystem zusammenzuführen. Laut Lukas Hochscheidt, politischer Koordinationsreferent der AWO, könnten so vor allem einkommensschwache Haushalte deutlich gestärkt werden – Familien mit Kindern und Alleinerziehende profitieren am meisten. Die Berechnungen lassen aufhorchen: Die Quote für Armutsrisiko könnte um fast einen Prozentpunkt sinken, das Gesamtvolumen der Armutsgefährdung um rund zwei Milliarden Euro verringert werden. "Unser Modell priorisiert klare Verbesserungen für die, die heute zu oft durchs Raster fallen – und verschlechtert die Arbeitsanreize nicht, sondern stärkt sie sogar", so Hochscheidt, der auch auf die Kosten verweist. Laut ifo summiert sich der jährliche Mehraufwand auf etwa 5,4 Milliarden Euro. Weil auch die Frage nach der Finanzierung aufploppt, argumentiert die AWO, dass es Einsparpotenzial gibt, wenn beispielsweise familienbezogene Freibeträge mal näher angeschaut werden. Diese Privilegien für Besserverdienende könnten schrittweise gekappt werden, was nach Hochscheidts Rechnung bereits drei Milliarden Euro jährlich bringen könnte – ohne das Kindergeld zu kürzen. Die Umstrukturierung könne also solide finanziert werden und setze gezielt dort an, wo Kinder und Familien besonders Unterstützung benötigen. Schon merkwürdig übrigens: wie lange diese Lücke zwischen dem Kindergeld und den wohl etwas versteckteren Freibeträgen schon existiert – und trotzdem kaum jemand darüber spricht. Manchmal hängt die Sozialpolitik in alten Gewohnheiten fest.

Zusammengenommen will die AWO mit Hilfe der ifo-Studie eine vereinfachte und sozial gerechtere Unterstützung für Haushalte mit niedrigem Einkommen erreichen. Durch die Pläne sollen vor allem Kinder, Alleinerziehende und Familien am unteren Rand der Einkommensverteilung merklich mehr Geld zur Verfügung haben, was die Armutsgefährdung erkennbar reduziert. Angesichts eines Finanzierungsbedarfs von etwa 5,4 Milliarden Euro jährlich sollen Einsparungen durch die Streichung steuerlicher Vorteile für begüterte Familien erzielt werden – eine Umverteilung, die für mehr Gleichbehandlung im System sorgen könnte. Ergänzung aus aktueller Recherche: Aktuelle Diskussionen um die Verteilung und Effizienz von Sozialleistungen nehmen angesichts steigender Lebenshaltungskosten und wachsender Kinderarmut an Schärfe zu. Experten zitieren als zentrale Herausforderung die unübersichtlichen und teils schwer zugänglichen Einzelleistungen, die gerade Familien in prekären Lagen vor bürokratische Mauern stellen. In jüngster Zeit wächst medial und gesellschaftlich der Druck, passgenauere und einfachere Instrumente zu entwickeln, um das Auseinanderdriften der sozialen Schere nachhaltig aufzuhalten.

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