Schon von Anfang an legte RB Leipzig richtig Feuer rein, presste aggressiv und schob die Bayern ordentlich hinten rein. Besonders die rechte Abwehrseite der Gäste schien den Leipzigern wie eine offene Tür – da rauschte ein Angriff nach dem anderen durch. Manuel Neuer musste sich mehrmals auszeichnen, damit es nicht direkt früh einschlug. Nach rund zwanzig Minuten war es dann aber soweit: Leipzig kombinierte sich mit Tempo über die linke Außenbahn, ein kluger Pass brachte Romulo ins Spiel, der gegen Tah das 1:0 erzielte. Bayern wirkte in dieser Phase etwas ratlos, Ballbesitz hin oder her, nach vorne ging kaum etwas, während Gulacsi im Leipziger Tor alles locker parierte. Zur Pause hätte Leipzig durchaus höher führen können – es roch förmlich nach einer Überraschung.
Dann aber: Schnitt. Pausentee, Besprechung, was auch immer – nach Wiederbeginn kam ein anderer FC Bayern auf den Platz. Plötzlich waren sie bissig, gewannen die meisten Zweikämpfe, der Ball lief viel schneller. Leipzig wirkte wie abgebaut, kam kaum mehr über die Mittellinie. Der schnelle Ausgleich durch Serge Gnabry nach nur wenigen Minuten war der Dosenöffner. Danach rollte Angriff um Angriff auf das Leipziger Tor zu – die Münchner übernahmen komplett das Kommando. Die Hereinnahme von Michael Olise brachte noch mehr Schwung. Und dann die Führung: Olise setzte sich auf rechts durch, flankte maßgenau und Kane drückte den Ball aus wenigen Metern zum 2:1 über die Linie. Aber damit nicht genug: In der 83. Minute entstand nach einer wilden Szene das 3:1 – irgendwie war alles und jeder am Ball, zuletzt wurde Tah als Torschütze geführt, nachdem Orban noch abgefälscht hatte. Nun brachen bei Leipzig doch alle Dämme. Bayern machte in der Schlussphase mit Treffern von Pavlović und Olise endgültig den Deckel drauf. Elf Punkte Vorsprung sprechen eine deutliche Sprache für die Münchner, Leipzig bleibt nach diesem Abend erstmal Vierter.
Der FC Bayern drehte ein schwieriges Auswärtsspiel in Leipzig nach schwacher erster Hälfte mit einer Gala-Leistung nach der Pause. Entscheidend war die Umstellung von Trainer Tuchel in der Halbzeit, die das Team deutlich mutiger auftreten ließ – ein Muster, das in den letzten Spielen bereits häufiger zu sehen war. Bemerkenswert bleibt, wie fest die Bayern derzeit in der Liga dominieren – Experten wie Didi Hamann auf Sky verwiesen auf die extreme mentale Stärke und Geschwindigkeit, mit der Bayern umschalten kann.
Laut aktuellen Medienberichten wurde vor allem Michael Olise als Joker gefeiert; sein Wirbel auf der rechten Seite setzte RB enorm zu. Zudem werden die Defizite der Leipziger in solchen Topspielen zunehmend sichtbar – die Mannschaft scheint nach Rückschlägen besonders anfällig, Jungstars wie Romulo profitieren zwar von mutigem Spiel, aber insgesamt fehlt die Abgebrühtheit in den entscheidenden Momenten. Die Stimmen nach Schlusspfiff waren entsprechend: "Wir haben komplett den Faden verloren", gab Trainer Marco Rose frustriert zu Protokoll (laut FAZ und Kicker), während Bayern-Kapitän Kimmich von einer "unschlagbaren zweiten Halbzeit" sprach.