Wer schon mal im stickigen Gedränge einer unterirdischen Station stand, kann sich vorstellen, wie schnell dort Panik ausbrechen könnte, wenn es brennt. Die Besonderheit der S-Bahn-Stationen in Offenbach: komplett unterirdisch, oben technische Zwischenebene, erst dann Tageslicht. Kommt es zum Brand, steigt der Rauch rasch auf und erschwert die Orientierung. Das neu installierte Hochdruckwassernebel-System, von FOGTEC entwickelt, nimmt dem Brand sofort die Energie: winzige Wassertröpfchen fluten die Luft, nehmen Wärme auf, bremsen das Feuer. Das klingt erst mal technisch, bringt den Menschen aber konkret einen Vorteil – sie können länger fliehen. Ohne ein solches System, so ergaben Analysen, reichen die Evakuierungszeiten bei Bränden (besonders, wenn Züge im Tunnel entflammen) schlichtweg nicht aus, um die geltenden Sicherheitsvorgaben einzuhalten.
Technisch bemerkenswert: Während die Anlagen sonst viel Platz brauchen, wurden die Module – Pumpen, Strom, Wassertanks – direkt in die Stationen platziert, versteckt unter den Bahnsteigen. Jede Station ist in mehrere Sektoren unterteilt: Das spart nicht nur Wasser, sondern ermöglicht gezieltes Auslösen. Der Einbau war logistisch ein Drahtseilakt, meist nachts oder bei Zugpausen, um den Verkehr nicht zu stören. Ergebnis: Im Brandfall bleibt Rauch länger fern – Feuerwehr und Passagiere gewinnen Minuten, die buchstäblich über Leben und Tod entscheiden können.
Mit der Neuerung setzt Offenbach einen Standard, der weit über die Stadt hinausstrahlen könnte. FOGTEC, 1997 gegründet, hat Erfahrungen in Zügen, Tunneln, Serverräumen und anderen sensiblen Orten gesammelt und bringt dieses Know-how nun bündig in den öffentlichen Nahverkehr.
Die Installation von Hochdruckwassernebel-Systemen wächst international – und gilt als moderner Weg, um Menschen vor Bränden zu schützen. Gerade bei unterirdischen Bahnstationen stehen Verantwortliche vor besonderen Herausforderungen: Klassische Löschsysteme arbeiten zu träge oder setzen im Ernstfall mehr Schaden als Nutzen. Wassernebel hingegen hält Hitze und Rauch im Zaum und bewahrt (ohnehin knappe) Fluchtzeiten. Laut aktuellen Medienberichten werden diese Innovationen auch global verstärkt eingesetzt, nicht zuletzt, weil Klimawandel und dichtere Bebauung neue Anforderungen an den Brandschutz stellen.
Ergänzend zeigen Recherchen: Stadt Offenbach modernisiert auch bei anderen Sicherheitsaspekten die Bahninfrastruktur, etwa mit neuen Kameras und LED-Orientierungshilfen. FOGTECs Anlagen sind unter anderem in Projekten in Indien, Italien und Großbritannien im Einsatz, was ihren internationalen Rang unterstreicht. Als kleiner Randaspekt sei erwähnt: Die Debatte über die Sinnhaftigkeit von rückwärtigem Brandschutz für öffentliche Anlagen gewinnt an Fahrt – Kritik gibt es insbesondere an den Kosten und der Wartungsintensität solcher Systeme. Trotzdem, und das zeigt Offenbach, wiegt der Nutzen bei Menschenleben wohl schwerer.