Wohnen über dem Supermarkt – was sich zunächst nach einer Großstadtidee anhören mag, wurde mitten in Bürmoos Realität. Im Parterre lockt ein 1.000-Quadratmeter-EUROSPAR mit frischem Gemüse und Zahnpasta, in den Etagen darüber wohnen ab sofort Familien und Alleinstehende in geförderten Zwei- bis Vierzimmerwohnungen. Das Projekt spart nicht nur Platz, sondern beweist, wie Nahversorgung, bezahlbares Wohnen und innovative Energielösungen spielend Hand in Hand gehen können. Statt immer mehr Fläche zu versiegeln, packt man hier Supermarkt, Wohnungen und sogar die Heizung durch Abwärmenutzung kompakt zusammen.
Die Wohnungen – in Reichweite eines Sonnenspaziergangs am Bürmooser See – bieten zwischen 52 und 86 Quadratmetern Privatsphäre auf jeweils Balkon, Terrasse oder Loggia. Autofans können sich über 20 Stellplätze in der Tiefgarage freuen. Hinter der Planung stecken die Linzer Archinauten ZT GmbH, gebaut hat die PORR AG. Und das Ganze für unter zwölf Euro pro Quadratmeter. Geschäftsführer Grundbichler von Salzburg Wohnbau ist zufrieden: „Der Run auf die Wohnungen zeigte, wie nötig diese Form des Wohnens ist.“
Kleine Fußnote, die oft überlesen wird: Das Haus wird mit Abwärme aus den Kühlgeräten des Supermarkts beheizt – was erstaunlich simpel und doch genial wirkt. Die Bauzeit? Überraschend knapp: Nach nur 14 Monaten war alles bezugsfertig, dank Teamwork zwischen Bauunternehmen, Gemeinde und Förderstellen. Landesrat Zauner und Bürgermeisterin Ecker betonten, wie wichtig Kombi-Lösungen wie diese für leistbaren Wohnraum ohne neue Bodenversiegelung sind. Die Gemeinde hat die Wohnungen selbst vergeben, damit sie nicht am Bedarf der Einheimischen vorbeigehen.
Letztlich ist der Standort über dem Supermarkt kein Zufall – SPAR setzt in Salzburg immer mehr auf sogenannte Kombinationsbauten mit Wohnungen, Büros oder Serviceeinrichtungen. So entstehen kleine Lebensadern inmitten der Orte statt am Ortsrand – ein Trend, der wohl noch Schule machen könnte.
Das in Bürmoos fertiggestellte Wohn- und Nahversorgungsprojekt vereint modernen Wohnraum mit einem darunterliegenden Supermarkt, wodurch sowohl Flächen gespart als auch Synergien bei der Energieversorgung genutzt werden. Dank einer Kombination aus Landesförderung und innovativer Planung entstanden preisregulierte, geförderte Mietwohnungen, deren Nachfrage das Angebot weit überstieg – ein Beleg für den angespannten Wohnungsmarkt. Durch die Nutzung von Abwärme aus dem Supermarkt werden Ressourcen effizient eingesetzt und neue Maßstäbe für energieeffizientes Bauen gesetzt. Aktuelle Recherchen zeigen, dass Projekte dieser Art – etwa gemischt genutzte Wohngebäude mit Supermarkt, Praxen oder Kitas im Erdgeschoss – in ganz Österreich und Deutschland zunehmen, als Beitrag zu bezahlbarem Wohnraum, zur Innenentwicklung der Gemeinden und zur Reduktion des Verkehrsaufwands. Zeitgleich gibt es kritische Stimmen, die vor Gentrifizierung warnen, wenn neue Wohnlagen primär als Prestigeprojekte mit optimaler Nahversorgung erscheinen. Dennoch spricht vieles dafür, dass die intelligente Mehrfachnutzung von Gebäuden eine Antwort auf Flächenversiegelung und Energiefragen unserer Zeit bietet.