Bund beteiligt sich massiv am Rüstungskonzern KNDS – Signal für die Wehrindustrie

Nach zähen Verhandlungen ist es offenbar beschlossen: Die Bundesregierung steigt mit einem satten Anteil bei KNDS ein – dem Produzenten des Leopard-2-Panzers. Das Signal: Deutschland spielt beim europäischen Rüstungsriesen jetzt auf Augenhöhe mit Frankreich.

heute 21:10 Uhr | 2 mal gelesen

Monate des Feilschens, Hin und Her hinter verschlossenen Türen – nun scheint sich die Bundesregierung durchgerungen zu haben. Wie verlautet, übernimmt der Bund satte 40 Prozent des deutsch-französischen Herstellers KNDS, dem Unternehmen hinter solchen Militärgiganten wie dem 'Leopard 2' oder dem 'Boxer'. Damit zieht man gleich mit Frankreich, das ebenfalls 40 Prozent hält. Die besondere Würze liegt im Detail: Künftig könnte Deutschland seinen Anteil auf etwa 30 Prozent verringern; trotzdem bleibt Paris in strategischen Fragen nie allein am Drücker. Eine spezielle Klausel soll sichern, dass Berlin und Paris selbst beim Rückgang der Anteile bei sämtlichen Standort- oder Grundsatzentscheidungen mit gleichgewichtiger Stimme sprechen. Grund für den ganzen Aufkauf? Die bisherigen deutschen Eigentümerfamilien möchten anscheinend aussteigen und suchen neue Investoren. Gerüchten zufolge steht der Wert von KNDS momentan irgendwo bei 18 bis 20 Milliarden Euro. Das ist nicht wenig – und erinnert mich an Debatten, wie sehr nationale Mitsprache und Rüstungspolitik sich kreuzen. Wer hätte gedacht, dass ein Leopard-Panzer am Ende so viel diplomatische Feinjustierung braucht? Aber naja, irgendwie spiegelt das auch moderne Zeiten wider, wo Staaten plötzlich als Wirtschaftsinvestoren auftreten und Gefahrenabwehr nicht nur Sache des Militärs, sondern auch der Industriepolitik ist. Ein merkwürdig verschränktes Geschäft – aber vielleicht alternativlos.

Deutschland wird künftig eine bedeutende Rolle beim Rüstungskonzern KNDS spielen und so die Interessen des Staates strategisch absichern. Während Frankreich weiter 40 Prozent hält, kann Deutschland seine Anteile auf 30 Prozent sinken lassen – politische Mitsprache bleibt dennoch auf Augenhöhe. Die Entwicklung ist auch ein Signal an den wachsenden Einfluss staatlicher Akteure in der europäischen Rüstungslandschaft und könnte weitreichende Folgen für den Industriestandort sowie die künftige Sicherheitspolitik haben. Laut neuesten Medienberichten ist das Gesamtpaket ein Zeichen für ein verändertes deutsches Selbstbewusstsein in sicherheitsrelevanten Industrien und bündelt Einfluss gegen geopolitische Unsicherheiten: Die Bundesregierung sieht sich angesichts des Kriegs in der Ukraine und den dadurch veränderten Sicherheitslagen gezwungen, die Verteidigungsindustrie zu stärken und kontrollieren – ohnehin wächst der Druck durch EU-Partnerländer, gemeinsam innovative Waffensysteme zu entwickeln (Quelle: www.spiegel.de). Außerdem wurde betont, dass die Sicherung von Arbeitsplätzen und Know-how am Standort Deutschland eine zentrale Rolle bei der Entscheidung gespielt habe, mit einem solchen Milliardenbetrag einzusteigen (Quelle: www.zeit.de). Schließlich ist der Deal auch eine Antwort auf die gestiegenen Rüstungsaufträge, die eine stärkere Steuerung und Mitsprache der Politik beinahe unumgänglich machen (Quelle: www.faz.net).

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