Es scheint, als wolle die Regierung beim Wohnungsbau einen gewaltigen Zahn zulegen. Wie aus dem Dunstkreis von Regierungsverhandlern durchsickerte, will der Bund künftig jedes Jahr satte 100.000 neue Wohnungen durch eine eigene Gesellschaft aus dem Boden stampfen. Die finale Festlegung dieser Zahl wird spätestens bei der Klausurtagung in Neuhardenberg öffentlich gemacht – also sehr bald. Bereits beim jüngsten Koalitionsausschuss Anfang Juli wurde beschlossen, eine "Wohnungsbaugesellschaft für bezahlbares Wohnen" (WBG) einzurichten, deren Fokus klar auf Wohnungen mit moderaten Preisen liegen soll. Vor allem dort, wo der Markt aus guten Gründen chronisch zu wenige davon hervorbringt. Wirklich konkret wird das Projekt aber erst in den nächsten Wochen, weil Bauministerium und Finanzministerium noch am konkreten Fahrplan schrauben (Stichtag Ende August).
Was auffällt: Diese Zahl von 100.000 neuen Wohnungen wäre ein erheblicher Quantensprung. Noch vor ein paar Wochen sprach Finanzminister Klingbeil eher von 10.000 Wohnungen jährlich als ehrgeizigem Ziel – plötzlich multipliziert sich die Größenordnung. Und dennoch: Der tatsächliche Bedarf wird von Fachleuten immer wieder zwischen 300.000 und 400.000 Einheiten pro Jahr taxiert, während im vergangenen Jahr nur etwas mehr als 200.000 wirklich fertig wurden. Ob da 100.000 zusätzliche Wohnungen pro Jahr reichen? Ein bisschen Skepsis bleibt. Am Ende wird auch entscheidend sein, wie schnell und effizient die staatliche Baugesellschaft wirklich liefern kann.
Die Bundesregierung will mit einer neuen Bundeswohnungsbaugesellschaft pro Jahr 100.000 neue Wohnungen schaffen. Ziel ist es, vor allem dort bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, wo der Markt regelmäßig versagt und günstiger Wohnraum fehlt – also insbesondere in Ballungsräumen. Die tatsächliche Lücke am Wohnungsmarkt ist jedoch viel größer: Laut aktuellen Studien und Expertenkommentaren, unter anderem aus Artikeln auf Spiegel Online und Zeit Online, fehlen bis zu 700.000 Wohnungen in Deutschland, ein Großteil davon im niedrigen und mittleren Preissegment. Besonders erschwerend wirken sich laut aktuellen Debatten u.a. Zinssteigerungen, hohe Baukosten und der Mangel an Fachkräften im Baugewerbe aus. Einige neue Artikel beschäftigen sich außerdem mit der Frage, wie nachhaltiger, serieller Wohnungsbau und innovative Konzepte wie Holzbau oder modulares Bauen die Umsetzung beschleunigen könnten.