Ehrlich gesagt, klingt es ein wenig nüchtern, was Huber da sagt: 'Tod und Verwundung – das gehört zu unserem Beruf.' Irgendwie bewundere ich trotzdem, wie entschlossen und stoisch das rüberkommt. In Litauen wird die Sache ernst gemeint: Abschreckung nicht als reines Lippenbekenntnis, sondern durch greifbare Präsenz. Kampfbereitschaft, um im Idealfall nie kämpfen zu müssen – paradoxer kann man Verteidigung fast nicht denken.
Auch wenn US-Truppen in Europa reduziert werden, hält Huber an ihrem Rückhalt fest. 'Amerikaner stehen an unserer Seite, auch wenn es wirklich brenzlig wird', sagt er ziemlich ohne Zögern. Immerhin, der Verteidigungsbereich reicht inzwischen fast vom Polarkreis bis zum Schwarzen Meer. Eigentlich schon beeindruckend, was die Nato da – von Finnland bis Bulgarien – einfach so zusammenbekommt. Der General ist überzeugt, das Verteidigungsbündnis werde nicht überrumpelt.
Bis 2027 sollen um die 5.000 deutsche Soldaten in Litauen stehen, unterstützt von etwa 2.000 Militärfahrzeugen und Panzern. Die wichtigsten Einheiten kommen aus Augustdorf (NRW) und Oberviechtach (Bayern). Laut Verteidigungsministerium kostet das Ganze vier bis sechs Milliarden Euro zur Aufstellung und jährlich dann noch mal rund eine Milliarde für den Betrieb – kein Kleingeld.
Was die Besetzung der Stellen angeht, setzt Huber zum großen Teil auf Freiwillige – na ja, ein paar Härtefälle gibt’s bestimmt, vor allem bei IT und Logistik. Aber, so Huber, die Soldatinnen und Soldaten haben einen Eid abgelegt, und der gilt da, wo sie gebraucht werden. Am Ende wird da eine „kriegsbereite Brigade 45 Litauen“ stehen, da ist sich Huber sicher. Trotz der Schattenseite des Berufs. Und ein bisschen fragt man sich ja schon: Wer meldet sich eigentlich freiwillig für sowas?
Die Stationierung einer vollständigen, einsatzfähigen deutschen Brigade in Litauen stellt einen Wendepunkt in der Sicherheitspolitik der Bundeswehr dar. Mit dem Plan, bis 2027 etwa 5.000 Soldaten und massivem Gerät an die Nato-Ostflanke zu verlegen, reagiert Deutschland auf wachsendes Bedrohungsgefühl in Osteuropa – vor allem angesichts Russlands Verhalten nach Beginn des Ukraine-Kriegs. Laut aktuellen Berichten deutscher Medien wie der "FAZ" und "Spiegel" ist die Bereitschaft in der Truppe erstaunlich hoch, obwohl viele Soldatinnen und Soldaten privat bislang kaum mit Osteuropa zu tun hatten und der Wandel von rotierender Präsenz zu dauerhafter Stationierung auch familiäre Herausforderungen mit sich bringt. Die Bundesregierung setzt aus bündnispolitischen Gründen klare Signale, auch wenn die USA sich allmählich mehr auf Pazifik und Asien konzentrieren. Die Ausstattung der Brigade – insbesondere bei moderner Digitaltechnik und Logistik – bleibt eine Aufgabe, die nicht automatisch gelingt, sondern gezieltes Werben und Investitionen erfordert. Insgesamt vergleicht die Bundeswehrführung die NATO-Abschreckungsdoktrin immer wieder mit der des Kalten Krieges – diesmal jedoch unter veränderten geopolitischen Voraussetzungen und viel mehr Unsicherheit, was die langfristige Präsenz der US-Streitkräfte angeht.